Das Unternehmen Blue Origin, das Jeff Bezos gehört, hat offiziell die Abschlussuntersuchung der Ursachen der katastrophalen Explosion der Trägerrakete New Glenn bekanntgegeben, die am 28. Mai 2026 stattfand. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Dave Limp, bestätigte, dass der Unfall, der die Rakete in eine Feuerkugel verwandelte, durch einen technischen Defekt im Oxidatorzufuhrsystem verursacht wurde. Trotz erheblicher finanzieller Schäden und Zerstörungen auf der Startrampe haben die Ingenieure bereits einen Plan zur Behebung des Fehlers entwickelt.
Kritischer Ausfall des BE-4-Triebwerks
Laut offiziellen Daten, die am 7. August veröffentlicht wurden, liegt die Ursache des Problems in einem der BE-4-Triebwerke, die an der ersten Stufe der Rakete installiert sind. Die Spezialisten stellten einen Defekt am Ventil in der Haupt-Sauerstoffleitung (main oxygen line) fest. Dieses Bauteil funktionierte nicht korrekt, was zu einer unkontrollierten Energieabgabe und dem anschließenden Explosion führte. Limp merkte an, dass der Weg zur Lösung des Problems klar sei: „Wir führen kleine Modifikationen am Ventil durch, die schnell an den vorhandenen Triebwerken installiert werden können“.
Die BE-4-Triebwerke sind ein Schlüsselelement der Architektur von New Glenn und liefern den Schub für die erste Stufe. Es ist wichtig zu beachten, dass diese gleichen Triebwerke auch bei den Raketen Vulcan Centaur des Unternehmens United Launch Alliance (ULA) verwendet werden, was diesen Vorfall für die gesamte Branche der kommerziellen Starts von Bedeutung macht.
Schlag gegen die Infrastruktur und das Artemis-Programm
Die Folgen der Explosion am 28. Mai waren weitreichend. Der Unfall verursachte kritische Schäden an der Startrampe Launch Complex 36A (LC-36A) auf dem Kap Canaveral. Blue Origin hatte diese Anlage bereits 2015 angemietet und mehr als ein Jahrzehnt lang mit ihrer Renovierung beschäftigt. Die Rampe, die erst 18 Monate nach dem ersten erfolgreichen Start von New Glenn im Januar 2025 voll funktionsfähig war, benötigt nun eine grundlegende Reparatur.
Die Wiederherstellung der Infrastruktur wurde zur Priorität für das Unternehmen. Allerdings birgt die Verzögerung bei der Wiederaufnahme der New-Glenn-Flüge Risiken für verwandte Projekte. Insbesondere der Zeitplan des NASA-Mondprogramms Artemis, bei dem Blue Origin eine wichtige Rolle bei der Logistik und dem Transport von Fracht spielt, steht unter Druck.
Auswirkung auf den Partner ULA und Vulcan Centaur
Der Vorfall mit New Glenn hat direkte Konsequenzen für das Unternehmen United Launch Alliance (ULA), das ebenfalls BE-4-Triebwerke für seine Raketen Vulcan verwendet. Blue Origin und ULA arbeiten im Rahmen der Untersuchung des Vorfalls zusammen. Bisher hat ULA nicht kommentiert, wie sich dies genau auf ihren eigenen Startzeitplan auswirken wird, doch die Situation sorgt in der Branche für Besorgnis.
Die Rakete Vulcan hatte ohnehin bereits mit einer Reihe technischer Schwierigkeiten zu kämpfen. Während einer Mission im Februar zur Platzierung eines Satelliten der US Space Forces auf eine geosynchrone Umlaufbahn kam es zu einem Ausfall der Düse eines Feststoffbooster. Obwohl die Mission erfolgreich abgeschlossen wurde, hat Vulcan seitdem keine Flüge mehr durchgeführt. Der Lieferant der Booster, Northrop Grumman, berichtete in einem Bericht vom 21. Juli, dass Korrekturmaßnahmen ergriffen wurden und eine überarbeitete Version der GEM 63XL-Triebwerke bis Ende des Jahres geliefert werden soll.
Zeitplan für die Wiederherstellung
Trotz der Zerstörungen blickt Blue Origin optimistisch in die Zukunft. Die Unternehmensleitung plant, New Glenn bis Ende 2026 für neue Flüge vorzubereiten. Die aktuellen Bemühungen konzentrieren sich auf zwei Bereiche: die physische Wiederherstellung des Startkomplexes LC-36A und die Einführung der modifizierten Ventile in die BE-4-Triebwerke. Durchgeführte Komponententests und Zündversuche der Triebwerke bestätigen die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Lösungen.