Das soziale Netzwerk Bluesky hat ein umfassendes Update seines Medienverarbeitungs-Systems angekündigt. Die Plattform hat die Limits für Videoclips deutlich erweitert, die Uploads beschleunigt und die zulässige Dateigröße erhöht. Laut den Entwicklern sollen die Änderungen das Nutzererlebnis verbessern, neue Autoren anlocken und letztlich die Gesamtnutzerzahl des Dienstes steigern, die in den letzten Monaten einen anhaltenden Rückgang verzeichnete.

Neue Limits: 10 Minuten und 300 MB

Die zentrale Änderung betrifft die Dauer der Clips. Konnte man vor einem Jahr noch Videos mit einer Länge von bis zu 3 Minuten und davor lediglich 60 Sekunden veröffentlichen, können Nutzer nun Clips mit einer Dauer von bis zu 10 Minuten hochladen. Gleichzeitig wurde die maximale Dateigröße auf 300 MB erhöht. Wie Bluesky betont, machen diese Parameter die Plattform für Autoren, die mit längeren Videoformaten arbeiten, deutlich attraktiver und rücken sie auf eine Stufe mit den Marktführern.

Upload-Geschwindigkeit und dezentrale Ökosystem

Neben der Erhöhung der Limits haben die Entwickler auch den Upload-Prozess selbst optimiert: Laut ihren Angaben werden Videoclips nun 2–3-mal schneller auf der Plattform veröffentlicht. Grundsätzlich wichtig ist, dass Bluesky auf dem dezentralen Netzwerkprotokoll AT Protocol aufbaut. Dank dessen stehen die aktualisierten Parameter automatisch auch anderen Anwendungen innerhalb desselben Netzwerks zur Verfügung – insbesondere Bluescreen, Reelo und Skylight. Ein einzelnes Update auf Protokollebene hat damit faktisch die Standards für eine ganze Ökosystem an Client-Anwendungen angehoben.

Wettbewerbskontext: TikTok, Threads und X

Das neue 10-Minuten-Limit erlaubt einen direkten Vergleich von Bluesky mit TikTok, das sich längst im Segment der kurzen und mittleren Videos etabliert hat. Zum Vergleich: Die Meta-App Threads erlaubt Clips von nur bis zu 5 Minuten. In X gilt für kostenlose Konten eine Beschränkung auf 140 Sekunden, während zahlende Abonnenten mehrstündige Videos mit bis zu 16 GB hochladen können. Genau diese Möglichkeit für zahlende X-Nutzer führte laut Quellen zu einem massenhaften illegalen Leck ganzer Spielfilme: Auf der Plattform tauchten so oder so die Leaks von The Odyssey und Spider-Man: Brand New Day sowie der Anime über Aang auf. Bluesky setzt mit der Erweiterung der Limits auf legitimen Autorenkcontent, nicht auf piraterische Uploads.

Versuch, den Nutzerabfluss zu stoppen

Für Bluesky selbst ist die Erweiterung der Video-Funktionen nicht nur ein Produktverbesserung, sondern auch eine strategische Antwort auf die negative Entwicklung der Besucherzahlen. Laut Daten des Analyseunternehmens Similarweb ist die Anzahl der aktiven Nutzer der Plattform bis Juli 2026 um 25 Prozent im Jahresvergleich gesunken. Vor diesem Hintergrund wirkt das Update des Video-Moduls wie ein Versuch, den Trend umzukehren: die Plattform für Content-Ersteller nützlicher zu machen, bestehende Autoren zu halten und das Interesse des Publikums zurückzugewinnen, das zu Wettbewerbern mit flexibleren Medienmöglichkeiten abgewandert ist.