Bodenrobotik-Komplexe (BRK) können den schnellen gepanzerten Transport für die Evakuierung Verwundeter aus dem vordersten Frontabschnitt nicht vollständig ersetzen, und das System zur Abholung von Soldaten an der Front funktioniert weiterhin im Ausnahmezustand. Dies schrieb die Soldatin Tschernowol in einem Facebook-Beitrag, auf den die Redaktion RBC-Ukraine unter Berufung auf ihre Worte aufmerksam machte. Anlass für den Kommentar war ein im Netz auftauchendes Video, auf dem ein Kämpfer verwundete Kameraden selbstständig mit einem Pickup abtransportierte – eine Situation, die nach Einschätzung der Tschernowol den systemischen Mangel an geeignetem Evakuierungstransport deutlich aufzeigt.

Langsame BRK gegen Drohnen

Das Hauptproblem, auf das die Tschernowol hinwies, ist die Geschwindigkeit. Ihren Worten zufolge sind die Bodenrobotik-Komplexe für Evakuierungsaufgaben zu langsam, weshalb Missionen zur Abholung Verwundeter oft tragisch enden. „BRK sind sehr langsam, und deshalb enden Evakuierungsmissionen von Soldaten oft tragisch. BRK mit Verwundeten werden zu Drohnenopfern“, betonte sie. Somit wird ein ungeschützter und langsamer Roboter, der mit einem Verwundeten über offenes Gelände geht, zu einem leichten Ziel für Drohnen des Gegners.

Welches Fahrzeug für die Evakuierung benötigt wird

Nach Überzeugung der Tschernowol sollte das Hauptmittel zur Evakuierung Verwundeter ein kleines, schnelles und leicht gepanzertes Fahrzeug mit Minenschutz sein. Genau ein solches Fahrzeug ist nach ihrer Logik in der Lage, einen Soldaten schneller zum Sanitätsposten zu bringen, als Drohnen oder eine Mine zuschlagen können. Dabei bestreitet sie die Rolle der Robotik nicht: BRK können Teil des Evakuierungssystems sein, sollten aber die gepanzerte Technik nicht vollständig ersetzen. Zuvor hatte die Militärkorrespondentin bereits den Ansatz kritisiert, BRK als ausreichendes Mittel für die Evakuierung zu betrachten, sowie den Verzicht auf den Kauf vollständiger Panzertechnik wegen deren Kosten.

Ausnahmezustand und reguläre Evakuierungseinheiten

Das Problem, so die Tschernowol, beschränkt sich nicht nur auf die Geschwindigkeit der Roboter. Die Evakuierung bleibt in vielen Einheiten weiterhin eine Aufgabe, auf die man sich ohne einheitlichen Standard selbst vorbereiten muss. „Die Evakuierung im Armeesystem im 5. Kriegsjahr ist ein Fall höherer Gewalt, auf den niemand vorbereitet ist“, schrieb sie. Als Lösung schlägt die Tschernowol vor, in den Brigaden reguläre Evakuierungseinheiten zu schaffen, die über eigenes Fahrzeugmaterial und die notwendigen Fachkräfte verfügen – Fahrer, Sanitäter, EW-Operatoren, Pioniere und andere.

Widersprüchliche Daten

Die Einschätzungen zur Rolle der BRK in den Streitkräften weichen deutlich voneinander ab. Einerseits warnen ukrainische Militärexperten (darunter Julia Kyrylenko-Merynowa, die Analysen auf „Telegraph“ veröffentlicht, sowie Autoren von Militärblogs), dass Roboter kein Allheilmittel für die Evakuierung sind und dass eine ausschließliche Setzung auf sie zulasten der Panzertechnik Soldaten das Leben kosten kann. Andererseits verzeichnen internationale Medien unter Berufung auf Foreign Policy den umgekehrten Trend: BRK in der ukrainischen Armee übernehmen zunehmend neue Aufgaben und verdrängen teilweise die Infanterie, das heißt ihr Einsatz erweitert sich, statt sich zu verengen. Somit bewerten die Seiten, bei allgemeiner Anerkennung des Werts der Robotik, unterschiedlich, ob man ihr kritisch wichtige Funktionen wie die Abholung Verwundeter anvertrauen kann.

Kontext: Erweiterung der Roboteraufgaben im Krieg

Im weiteren Kontext werden Bodenrobotik-Komplexe tatsächlich zu einem der Instrumente des Drohnenkriegs: Ihnen werden Aufklärung, Lieferungen, Feuerfunktionen und andere Aufgaben übertragen, bei denen das Risiko für das Personal am größten ist. Allerdings zeigen die Aussagen der Militärs, dass gerade bei Aufgaben, in denen Sekunden und Schutz vor Feuer entscheidend sind – vor allem bei der Evakuierung – Geschwindigkeit und Panzerung bestimmend bleiben. Die Debatte um BRK dreht sich somit nicht darum, ob Roboter überhaupt benötigt werden, sondern wo genau sie ohne Risiko für das Leben der Verwundeten und der Soldaten selbst eingesetzt werden können.