Der ukrainische Botschafter in Polen, Wassyl Bodnar, hat dazu aufgerufen, die Rhetorik polnischer Politiker in Bezug auf Stepan Bandera und die EU-Integration der Ukraine ernst zu nehmen. Seiner Ansicht nach spiegeln solche Aussagen nicht die Meinung marginaler Gruppen wider, sondern einen tief verwurzelten gesellschaftlichen Konsens in der polnischen Gesellschaft.

Historische Streitigkeiten und Haltung der Öffentlichkeit

In einem Interview mit RBC-Ukraine betonte der Diplomat, dass in Polen eine eindeutig negative Wahrnehmung der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch entstanden sei. Dieses Problem sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da die geteilte Haltung verschiedene politische Kräfte, soziale Bewegungen und die überwiegende Mehrheit der Bürger umfasst, die die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs durch das Prisma ihres eigenen historischen Gedächtnisses betrachten.

Widersprüchliche Daten

Bei der Einschätzung des Ausmaßes der Tragödie und der Verluste beider Seiten gibt es spürbare Diskrepanzen. Im polnischen öffentlichen Raum und in der offiziellen Historiographie ist die Schätzung von 100.000 getöteten Polen infolge der Wolhynien-Tragödie am weitesten verbreitet. Gleichzeitig schätzte der ukrainische Historiker Ihor Halahida die Zahl der Opfer auf ukrainischer Seite auf etwa 30.000. Beide Seiten betonen das Leid der eigenen Zivilbevölkerung, was einen weiteren offenen Dialog und Zugang zu Archiven erfordert.

Lösungswege und Verurteilung von Verbrechen

Wassyl Bodnar wies auf die Notwendigkeit einer umfassenden Arbeit von Historikern und Politikern hin, die auf gegenseitigem Respekt und dem Verzicht auf Konfrontation basieren muss. Der Botschafter betonte, dass jegliche Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung Kriegsverbrechen seien und unabhängig von der Nationalität der Opfer und Täter keine Rechtfertigung hätten. Die Ukraine beabsichtigt, ihre eigenen Archivforschungen weiterhin vorzustellen, einschließlich der Beleuchtung von in Polen weniger bekannten Strafaktionen und Operationen gegen Ukrainer.