Boeings Raumschiff CST-100 Starliner kehrt nach einer massiven Krise offiziell in das bemannte und unbemannte Flugprogramm zurück. Auf einem gemeinsamen Briefing von NASA und Boeing wurde die Fortsetzung der Flugtests und Systemüberarbeitungen angekündigt. Zur Erinnerung: Das Raumschiff erlangte weltweite Bekanntheit durch den neuntägigen Aufenthalt der Astronauten Butch Wilmore und Suni Williams auf der Internationalen Raumstation im Jahr 2024, die aufgrund technischer Mängel dort festsaßen. Trotz ernsthafter Zuverlässigkeitsprobleme beschloss die Führung der Raumfahrtbehörden, das Projekt wiederzubeleben, tiefgreifend zu modernisieren und sogar für eine neue Trägerrakete zu zertifizieren.

Erste Schritte zur Wiederaufnahme der Flüge

Der erste Meilenstein bei der Rückkehr des Starliner in den Dienst wird die unbemannte Mission Starliner-1 sein, deren Start für Dezember 2026 oder Januar 2027 geplant ist. Während dieses Testflugs soll das Raumschiff Fracht zur ISS bringen und die Wirksamkeit aller umsetzten technischen Änderungen unter Beweis stellen. Das Hauptaugenmerk der Ingenieure liegt auf der Modernisierung des Antriebssystems des Servicemoduls, der Überprüfung von Temperaturregimes und der Erfassung von Telemetriedaten, die für die endgültige Zertifizierung vor bemannten Starts unerlässlich sind.

Technische Nachbesserungen und Beseitigung kritischer Schwachstellen

Die umfassende Modernisierung des Raumschiffs ist das direkte Ergebnis von Untersuchungen zu Problemen mit den Lageregelungstriebwerken, die während des Crew Flight Test mit Wilmore und Williams auftraten. Die NASA-Analyse ergab, dass die Triebwerke aufgrund einer Kombination aus Konstruktionsmerkmalen und Hitzeeinwirkung außerhalb der ursprünglichen Parameter arbeiteten. Boeing-Ingenieure haben problematisierte Einheiten des Servicemoduls überarbeitet und ein neues Ventildesign entwickelt, um das Risiko von Dichtungsverformungen und Heliumlecks auszuschließen.

Zukunft der Trägerraketen und strategischer Kontext

Nach erfolgreichem Abschluss der Starliner-1-Mission sind weitere Upgrades wie Batterieaktualisierungen und Modifikationen des Fallchirmsystems geplant, wobei der erste bemannte Starliner-2-Flug für etwa 2028 anvisiert wird. Darüber hinaus unterstützt die NASA Boeing bei der Zertifizierung der neuen Vulcan-Rakete der United Launch Alliance, da die Vorräte an russischen RD-180-Triebwerken für die Atlas V erschöpft sind. Die Aufrechterhaltung zweier unabhängiger US-Transportsysteme bleibt für die NASA oberste Priorität.