Die weltweiten Ölmarken verzeichneten den größten Wochenanstieg seit Juli vor dem Hintergrund einer neuen Eskalation der Kampfhandlungen zwischen den USA und Iran. Laut Daten, die in der laufenden Woche erhoben wurden, übertraf der Preis der Referenzsorte Brent die Marke von 95 Dollar pro Barrel und stieg in sieben Tagen um rund 7 %. Seit Beginn des Jahres 2026 ist der Preis der Nordseemischung um fast 60 % gestiegen, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) die Marke von 91 Dollar pro Barrel überschritt.

Eskalation: Von der Bombardierungskampagne zu Gegenschlägen

Der rasante Preisanstieg des Rohstoffs erfolgte nach Beendigung einer Phase relativer Ruhe. Die US-Bombardierungskampagne, die zu Beginn der Woche eingeleitet wurde, löste eine Reaktion Teherans aus, der Angriffe auf US-Militärbasen in der Region flog. Laut Angaben des Mediums Axios trafen die USA mehr als 100 Ziele in Iran, was nach Aussage eines US-Beamten Teil einer neuen Politik „Tanker für Tanker“ war, die darauf abzielt, die Bedrohung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu schwächen.

Straße von Hormus und Angriffe auf Drittstaaten

Irakische Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf zivile und Handelsschiffe fort, die die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Ölader der Welt – passieren. Darüber hinaus feuerte Teheran Raketen auf das Gebiet Jordaniens, Kuwaits und Bahreins, was die Geografie des Konflikts erweitert und die Sorgen hinsichtlich der Lieferstabilität verstärkt. In diesem Zusammenhang erklärte Donald Trump, dass die Erreichung eines Abkommens mit Iran für ihn keine Priorität mehr darstelle, und dass ihn die derzeitige Situation mit der Kontrolle über die Straße von Hormus, seinen Worten zufolge, eher befriedige.

Widersprüchliche Daten

Gleichzeitig zeigen die Quellen sowohl hinsichtlich des Kursniveaus als auch der Preisentwicklung Abweichungen. Eine Reihe von Medien (RBC, „Moskowskij Komsomolez“, „Kommersant“) verzeichnet einen Anstieg: Brent liegt nach ihren Angaben im Bereich von 94 bis 96 Dollar pro Barrel, wobei „Kommersant“ feststellt, dass die Überschreitung der Marke von 94 Dollar erstmals seit dem 21. August erfolgte. Gleichzeitig berichtet das Medium Investing.com über einen Rückgang der Ölpreise, beharrt dabei jedoch auf der These, dass Iran und die Straße von Hormus weiterhin Lieferrisiken darstellen. Somit wird der grundlegende Narrativ über die Eskalation und die Risiken für die Schifffahrt von allen Quellen bestätigt, während das genaue Niveau und die Richtung der Kursbewegung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unterschiedlich sind.

Diesel, europäische Bestände und Einzelhandelspreise

Ölprodukte, insbesondere Dieselkraftstoff, zeigen einen noch rascheren Preisanstieg aufgrund des gleichzeitigen Einflusses des Nahostkonflikts und des Krieges Russlands gegen die Ukraine. In dieser Woche sprangen die Einzelhandelspreise für Industriekraftstoffe in den USA auf den höchsten Stand seit Mitte 2022, während die Energiebestände in Europa deutlich unter den üblicherweise festgestellten saisonalen Normen lagen, was den Druck auf den Markt vor dem Beginn der Heizsaison verstärkt.

Bewertung der Analysten

Die Leiterin der Analytikabteilung des singapurischen Unternehmens Phillip Nova Pte Ltd., Priyanka Sachdeva, bemerkte, dass die Ölmärkte ihre eigene Verwundbarkeit neu bewerten. Ihren Worten zufolge kann das Risikoprämium nur vorübergehend schrumpfen, solange das zentrale Sicherheitsproblem in der Region ungelöst bleibt, was auf einen anhaltend erhöhten Volatilitätsgrad in der Mittelfristperspektive hinweist.