Angesichts des rekordhohen Preisanstiegs für Dieselkraftstoff in den USA hat Energieminister Chris Wright öffentlich die Ursachen des Preissprungs erklärt und dabei auf systemische Probleme des weltweiten Ölverarbeitungsmarktes und insbesondere auf die Schäden an russischen Raffinerien hingewiesen. Die Aussage fiel im CBS-Interview als Antwort auf eine Frage der Moderatorin über den Rekordpreis für Diesel und mögliche Exportbeschränkungen des Kraftstoffs aus dem Land.
Rekord an den US-Tankstellen
Laut den im Gespräch genannten Daten erreichte der Preis für Dieselkraftstoff in den USA in dieser Woche den Rekordwert von 5,89 Dollar pro Gallone. Genau diese Zahl wurde zum Anlass für den öffentlichen Kommentar des Energieministers, der versuchte, die Situation in ihre Bestandteile zu zerlegen und zu erklären, warum die Kraftstoffpreise steigen, selbst wenn der Ölpreis selbst nicht extrem ansteigt.
Die Washingtoner Version: Engpass bei der Verarbeitung
Wright betonte, dass der entscheidende Faktor schwere Schäden an russischen Ölraffinerien seien. Seinen Worten zufolge war Russland zuvor ein großer Exporteur von Dieselkraftstoff, während es heute nicht nur seine Lieferungen ins Ausland eingestellt, sondern selbst zu einem großen Importeur von Benzin geworden ist. „Gerade die weltweiten Kapazitäten zur Ölverarbeitung sind die Ursache für die hohen Preise für Benzin und Diesel – sogar in größerem Maße als die Ölpreise“, erklärte der Minister.
Angriffe auf russische Raffinerien als Auslöser
Den Kontext für Wrights Worte liefern Daten des Unternehmens Fire Point über den Angriff auf die Raffineri in Rjasan. Berichten zufolge trafen Drohnen vom Typ FP-1 die Rektifikationskolonnen der Anlage ELOU-AVT-6 mit einer Kapazität von 8,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr – der größten Anlage des Unternehmens – sowie die Ausrüstung der Anlage AVT-3 mit einer Kapazität von 3,1 Millionen Tonnen pro Jahr. Zusammen stellen diese Objekte mehr als 77 % der Primärvverarbeitungskapazitäten der Raffineri in Rjasan dar, was nach Logik Washingtons die Mengen an Fertigkraftstoff auf dem Weltmarkt direkt reduziert.
Widersprüchliche Daten
Hier gehen die Versionen der Beteiligten auseinander. Einerseits verweist das offizielle Washington in Person von Chris Wright auf „die Schäden an russischen Raffinerien“ als Ursache des Preisanstiegs, ohne zu betonen, wer diese Angriffe durchgeführt hat. Andererseits sind laut Fire Point die Schäden an der Raffineri in Rjasan das Ergebnis eines Angriffs ukrainischer Drohnen vom Typ FP-1, und eine Reihe ukrainischer Wirtschaftsmedien vermerkt, dass im Umfeld des US-Präsidenten Trump die Ukraine direkt für den Diesel-Preisanstieg in den USA verantwortlich gemacht wird. So wird dieselbe Preisentwicklung im öffentlichen Raum unterschiedlich interpretiert: Für den amerikanischen Beamten ist es ein „Verarbeitungsproblem“, für einen Teil der Politiker – eine Folge der Handlungen Kiews.
Was die US-Regierung tut
Auf die Frage nach möglichen Exportbeschränkungen für Diesel aus den USA erklärte Wright, dass die Regierung verschiedene Optionen erwäge, die die Preise für amerikanische Verbraucher senken könnten, derzeit aber vor allem auf die Steigerung der Kraftstoffproduktion setze. So bevorzugt Washington angesichts des Rekordwerts von 5,89 Dollar pro Gallone vorerst, die inländische Produktion anzukurbeln, anstatt Exportbeschränkungen einzuführen.