Ukrainische Drohnen haben gezielte Schläge gegen die Schlüsselanlagen der Primärölverarbeitung der Rjasaner Ölraffinerie geführt — eines der größten Ölverarbeitungsunternehmen Russlands. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf Daten des Unternehmens FirePoint, das Aufnahmen des Angriffs veröffentlichte und die Art der getroffenen Ausrüstung bestätigte. Laut FirePoint trafen FP-1-Drohnen die Rektifikationskolonnen der Anlage ELOU-AVT-6 — dem größten Primärverarbeitungskomplex des Werks mit einer Kapazität von 8,5 Millionen Tonnen pro Jahr — sowie die Ausrüstung der Anlage AVT-3 mit einer Kapazität von 3,1 Millionen Tonnen pro Jahr.
Bestätigte Treffer an den Schlüsselanlagen
Rektifikationskolonnen sind die zentrale Ausrüstung jeder Primärverarbeitungsanlage: In ihnen erfolgt die Aufteilung des Öls in Fraktionen. Treffer auf sie bedeuten in der Regel eine lange Stilllegung und eine kostspielige Reparatur, und keinen lokalen Vorfall. FirePoint weist darauf hin, dass beide Komplexe — ELOU-AVT-6 und AVT-3 — im Zuge eines nächtlichen Drohnenangriffs getroffen wurden, in dessen Folge auf dem Werksgelände ein Feuer ausbrach.
Umfang des Schadens: über 77 % der Primärverarbeitung
Insgesamt stellen die getroffenen Anlagen laut FirePoint über 77 % aller Primärverarbeitungskapazitäten der Rjasaner Ölraffinerie dar. Für ein Werk, das jährlich etwa 17 Millionen Tonnen Öl verarbeitet und Benzin, Dieselkraftstoff, Flugbenzin sowie andere Erdölprodukte herstellt — darunter, laut offenen Quellen, für die Bedürfnisse der russischen Armee —, bedeutet der Verlust eines solchen Anteils der Primärverarbeitung eine erhebliche Reduzierung der Fertigprodukteherstellung während der Reparaturzeit.
Nächtlicher Angriff und Folgen in der Region
Explosionen während des nächtlichen Angriffs wurden nicht nur in Rjasan, sondern auch in Rostow am Don registriert, wo die Drohnen Berichten zufolge Panik auslösten. Der Gouverneur der Rjasaner Region, Pawel Malkow, bestätigte einen Brand in einem der Betriebe der Region. Laut Berichten lokaler Beobachter patrouillierte in der Nacht des Angriffs ein Ka-52-Hubschrauber über der Stadt. Offiziell bestätigt bleibt der Brand auf dem Raffineriegelände und die Treffer auf die Verarbeitungsanlagen.
Widersprüchliche Daten
Hier gibt es eine Diskrepanz in den Zahlen, die festgehalten werden muss. FirePoint nennt die summierten getroffenen Kapazitäten von 8,5 + 3,1 = 11,6 Millionen Tonnen pro Jahr und behauptet gleichzeitig, dass dies „über 77 %“ der Primärverarbeitung des Werks ausmache. Allerdings entsprechen 11,6 Millionen Tonnen nur etwa 68 % der angegebenen Gesamtkapazität der Rjasaner Ölraffinerie von 17 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Anteil von 77 % lässt sich also nicht direkt aus den vom Unternehmen genannten Zahlen relativ zum Gesamtverarbeitungsvolumen ableiten: Er setzt voraus, dass der Nenner — „alle Primärverarbeitungskapazitäten“ — deutlich kleiner als 17 Millionen Tonnen ist (etwa 15 Millionen). Damit widersprechen sich die Version des Unternehmens (77 % der Primärverarbeitung) und die einfache Arithmetik der genannten Anlagen (≈68 % des Gesamtverarbeitungsvolumens), und eine unabhängige Verifizierung des genauen Umfangs der außer Gefecht gesetzten Kapazitäten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fehlt.
Kontext: Regelmäßige Angriffe auf das Werk
Die Rjasaner Ölraffinerie wird regelmäßig zum Ziel ukrainischer Drohnen. Allein Ende Juli trafen die Verteidigungskräfte bereits das Unternehmen, woraufhin in Rjasan sowohl die Raffinerie selbst als auch der Lagerkomplex Wildberries in Flammen aufgingen. Der aktuelle Angriff war laut FirePoint und RBC-Ukraine der nächste und, angesichts der getroffenen Knotenpunkte, einer der bedeutendsten Angriffe auf die Verarbeitungskapazitäten des Werks.