Die japanische Reifenindustrie hat einen Schritt getan, den viele für unmöglich hielten. Nach 18 Jahren intensiver Entwicklung hat Bridgestone die luftlosen Reifen AirFree in die Serienproduktion aufgenommen. Dies ist der erste Fall in der Geschichte, bei dem Pkw-Reifen dieses Typs offiziell für den Einsatz auf öffentlichen Straßen in Japan zugelassen wurden. Hinter dem innovativen Design verbirgt sich jedoch ein schwerwiegender Kompromiss: Die maximale Fahrgeschwindigkeit mit diesen Rädern ist auf nur 20 km/h begrenzt.

Die Technologie, die nicht geboren werden konnte

Die Idee, Reifen ohne Schlauch und Luft zu entwickeln, schwebte bereits seit zwei Jahrzehnten in der Luft. Große Weltmarktführer stellten regelmäßig Konzepte ähnlicher Konstruktionen vor und versprachen, Pannen und platten Reifen in Vergessenheit geraten zu lassen. Der erste ernsthafte Versuch war das Projekt von Michelin, das bereits 2005 vorgestellt wurde. Der französische Riese verwendete Speichen aus Polyurethan und startete 2012 sogar die Produktion für Baumaschinen, doch der Weg zum Massenmarkt für Pkw wurde nicht beschritten.

Bridgestone begann 2008 mit der Arbeit an seiner eigenen Version und zeigte 2011 erstmals einen Prototyp der Öffentlichkeit. Nun, mehr als anderthalb Jahrzehnte später, hat das Projekt den Schritt von den Labortests in die Realität geschafft. Die neuen Reifen bestehen aus einer speziellen Gummimischung mit recyceltem Plastik, was die ökologische Ausrichtung des Projekts unterstreicht.

Physik gegen Komfort

Der Hauptvorteil von AirFree ist offensichtlich: Sie können physisch nicht platzen oder Luft verlieren. Die Ingenieure mussten jedoch mit den fundamentalen Gesetzen der Physik konfrontiert werden. Die Konstruktion des Reifens, bestehend aus flexiblen Lamellen, bietet zwar Dämpfung, zeigt aber eine extrem geringe Beständigkeit gegen seitliche Belastungen.

Bei hohen Geschwindigkeiten wird die Fliehkraft zu einem kritischen Faktor. Wenn ein Fahrer versucht, bei 70 km/h in eine Kurve einzuschwenken, verschieben sich die flexiblen Elemente des Reifens in eine Richtung, was dazu führt, dass die Felge den Asphalt berührt. Dies macht den Betrieb bei normalen Geschwindigkeiten unmöglich und gefährlich. Darüber hinaus begrenzen die Lamellen die Fähigkeit, Straßenunebenheiten zu absorbieren, sowie die Zuverlässigkeit des Notbremsens.

Für wen sind solche Reifen gedacht?

Aufgrund der strengen Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h ist der Anwendungsbereich von AirFree derzeit extrem eng. Die ersten Besitzer der Neuheit werden kommerzielle Fuhrparks der japanischen Stadt Higashiomi sein. Die Reifen werden an kleinen Elektrofahrzeugen montiert, die verlängerten Golfwagen ähneln und als öffentlicher Nahverkehr für ältere Menschen eingesetzt werden.

Für die Montage dieser Reifen sind spezielle Felgen erforderlich, und die Fahrzeuge müssen an die neue Konstruktion angepasst werden. Die leuchtend blaue Farbe der Reifen wurde nicht nur aus Designgründen gewählt – sie sorgt für eine bessere Sichtbarkeit auf der Straße, und bei Dunkelheit zeigt der Reifen einen leichten fluoreszierenden Effekt.

Die Zukunft im Weltraum?

Experten stellen fest, dass Reifen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h unter normalen Straßenverhältnissen eher wie eine technische Kuriosität denn wie eine praktische Lösung wirken. Die Experten sehen jedoch das wahre Potenzial dieser Technologie in der Raumfahrtindustrie. Die luftlose Konstruktion eignet sich ideal für zukünftige Rover auf dem Mond und dem Mars, wo das Risiko eines Durchstichs auf unebenem Gelände anderer Planeten ein kritischer Faktor ist.

Bridgestone hat bisher keine Pläne zur Erhöhung der zulässigen Geschwindigkeit für die Serienversion angekündigt, obwohl sie den Wunsch äußert, die Leistung in Zukunft zu verbessern. Derweil beobachtet die Welt, wie Innovationen ihre Nische finden, während sich in der Autoreparatur parallel andere Technologien entwickeln, wie zum Beispiel robotergestützte Systeme zum Reifenwechsel, die die Wartungszeit auf 30 Minuten verkürzen können.