Die britische Rüstungsindustrie hat einen bedeutenden Schritt bei der Entwicklung autonomer Waffensysteme gemacht. Das in Oxfordshire ansässige Unternehmen MGI Engineering, bekannt für seine langjährige Erfahrung im Bau von Formel-1-Rennwagen, hat offiziell den Beginn der Serienlieferungen der Kampfdrohne vom Typ „Kamikaze' TigerShark angekündigt. Die ersten Chargen der neuen Technik, die als schnelles Einweg-Waffensystem positioniert ist, sollen den Auftraggebern bereits im Oktober 2026 zur Verfügung stehen.

Technische Spezifikationen und Autonomie

Die neue Drohne TigerShark stellt eine hochtechnologische Waffe der Klasse „one-way effector' (Einweg-Effektor) dar. Laut den angegebenen Spezifikationen kann die Drohne eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 750 km/h erreichen und im Reiseflug eine Distanz von bis zu 900 km überwinden. Die Ausstattung mit einer modularen Kampflast von bis zu 300 kg ermöglicht eine flexible Anpassung der Mission: von der direkten Zerstörung von Zielen durch Explosionen bis hin zu Operationen der elektronischen Kriegsführung, einschließlich der Unterdrückung von Sensorsystemen und Kommunikationskanälen des Gegners.

Ein entscheidender Vorteil des TigerShark ist die Fähigkeit zum vollständig autonomen Flug unter Bedingungen, in denen die Satellitennavigation (GPS/GNSS) gestört oder manipuliert wird. Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben die Ingenieure von MGI Engineering in Partnerschaft mit dem Unternehmen Auterion ein komplexes Navigationssystem entwickelt, das trägeheitsgestützte Daten mit einer koordinatenfreien Kartierung des Geländes kombiniert. Dies ermöglicht der Drohne, Ziele zu finden und die Flugbahn auch bei intensiver elektronischer Gegenmaßnahmen zu korrigieren.

Startsystem und Konzept des Salvenangriffs

Der Start des TigerShark erfolgt von einer mobilen, bodengestützten Startanlage. Für den Start wird ein leistungsstarker Raketenschleuderbeschleuniger verwendet, woraufhin zwei Turbojet-Triebwerke in Betrieb gehen. Dieses Startschema ermöglicht den Einsatz von Drohnen in Salven, wodurch der Effekt eines massiven Angriffs erzeugt und die Luftverteidigungssysteme des Gegners mit einer Vielzahl von Zielen gleichzeitig überlastet werden. Dies ist besonders relevant im modernen Krieg, in dem die Geschwindigkeit des Verbrauchs von Präzisionswaffen oft die Produktionsraten übersteigt.

Projekt Brakestop und Wettbewerb auf dem Markt

Die Entwicklung des TigerShark erfolgt im Rahmen der britischen Regierungsinitiative „Project Brakestop', deren Ziel die beschleunigte Entwicklung von autonomen Kampfsystemen mit großer Reichweite ist. Das Programm sieht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem britischen Verteidigungsministerium und dem privaten Sektor vor. MGI Engineering hat bereits einen Entwicklungsvertrag erhalten und die Drohne im Juni 2026 auf einer Fachveranstaltung vorgestellt, an der der britische Verteidigungsminister teilnahm.

Der Weg zur Marktdominanz ist jedoch nicht einfach. Um den Vertrag für die Serienproduktion konkurriert MGI Engineering mindestens mit zwei anderen ernsthaften Projekten: dem System Crossbow von MBDA UK und der Drohne SkyLance von Rotron Aerospace. Der TigerShark wurde der Öffentlichkeit erstmals auf der Messe DSEI in London im September 2025 vorgestellt, wo er sofort als kostengünstigere Alternative zu herkömmlichen Marschflugkörpern auf sich aufmerksam machte.

Produktion und Exportpotenzial

Die ersten erfolgreichen Flugtests des TigerShark fanden im April 2026 statt. Der Geschäftsführer von Auterion bezeichnete dieses Ereignis als den ersten erfolgreichen Test eines Systems dieser Klasse in Europa seit mehr als einem Jahrzehnt und stellte fest, dass die Drohne zur schweren Kategorie Group 4 gehört. MGI Engineering plant, die Produktionsvolumen im vierten Quartal 2026 und im Laufe des Jahres 2027 zu steigern. Wichtig ist zu beachten, dass die Produktion vollständig in Großbritannien lokalisiert sein wird, was Möglichkeiten für den Export an verbündete Länder eröffnet, die an modernen autonomen Waffensystemen interessiert sind.