Der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Kyrylo Budanjow, skizzierte in einem Interview mit der New York Times mögliche Zeitrahmen für die Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zur Beilegung des von Russland gegen die Ukraine entfesselten Konflikts. Seinen Worten zufolge könnte ein neuer Beratungsrunde Ende September 2026 starten. Dabei betonte er, dass sich die tatsächlichen Voraussetzungen für eine Waffenruhe voraussichtlich deutlich später – frühestens im Frühjahr – herausbilden werden. Damit legt Kiew in seine diplomatische Strategie eine Lücke zwischen der formellen Wiederaufnahme des Dialogs und der faktischen Bereitschaft der Parteien, die Vereinbarungen auf dem Schlachtfeld zu fixieren.
Verhandlungen könnten Ende September starten
Wie RBC-Ukraine berichtet, verknüpfte Budanjow die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit einer Reihe politischer Ereignisse in zwei Schlüsselstaaten. Nach seiner Einschätzung wird ein neuer Beratungsrunde nach den Parlamentswahlen in Russland und einige Wochen vor den Zwischenwahlen in den USA erwartet. Diese Verknüpfung mit den Wahlzyklen deutet darauf hin, dass, so der Leiter des Präsidialbüros, gerade die Veränderung des innenpolitischen Kontexts in Moskau und Washington ein Fenster für einen diplomatischen Durchbruch eröffnen könnte.
Visit Whitkoffs und Kushners als möglicher Auslöser
Beginn einer neuen Beratungsrunde könnte, so Budanjow, der Besuch der US-Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew sein. Ihr Anwesenheit in der ukrainischen Hauptstadt wird als Signal für die Bereitschaft Washingtons gewertet, seine Vermittlerrolle erneut zu aktivieren. Budanjow betonte auch den pragmatischen Charakter der Verhandlungsposition Kiews: „Die Verhandlungen werden früher oder später zu etwas führen. Man kann nicht sein Leben lang kämpfen.“ Diese Formulierung spiegelt das Verständnis wider, dass die diplomatische Spur, selbst unter Bedingungen laufender Kampfhandlungen, ein notwendiges Instrument bleibt.
Vierte Winterkampagne der Beschuss der Infrastruktur
Parallel zu den diplomatischen Prognosen warnte Budanjow vor der militärischen Bedrohung. Er erklärte, dass Russland voraussichtlich versuchen werde, im Rahmen einer neuen massiven Winterkampagne der Beschuss, die bereits die vierte seit Beginn der vollen Invasion sein wird, Schläge gegen die ukrainische Infrastruktur zu versetzen. Diese Warnung unterstreicht die These, dass Moskau selbst im Vorfeld möglicher Verhandlungen nicht beabsichtigt, den militärischen Druck zu lockern, und diesen als Hebel zur Beeinflussung der Verhandlungsdynamik nutzt.
Position Moskaus: Aussagen Putins und Nebenzjas
Auf dem Hintergrund der Worte Budanjows ist auch die Position der russischen Seite zu berücksichtigen. Am Vortag erklärte der russische Führer, dass sich über die Beendigung des Krieges Russland und die Ukraine selbst einigen müssten, während andere Staaten lediglich Hilfe leisteten. Er behauptete auch, dass Moskau angeblich Schläge gegen die ukrainischen Behörden vermeide, da es Verhandlungspartner brauche, die Russland nicht „auf die Knie“ zwingen würden. Darüber hinaus erklärte der Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, dass der Kreml bereit sei, den Krieg fortzusetzen, falls die Ukraine die besetzten Gebiete nicht anerkennt und sich nicht den Forderungen Moskaus anschließt. Diese Aussagen belegen, wie weit die Ausgangspositionen der Parteien vor einer möglichen Wiederaufnahme des Dialogs auseinanderliegen.
Kontext: ранее besprochene Bedingungen einer Waffenruhe
Für ein vollständiges Bild ist die vorherige Dynamik zu berücksichtigen. Bereits im Frühjahr 2026 hatte Budanjow die Bedingungen erörtert, unter denen die im Mai erklärte Waffenruhe verlängert werden könnte, einschließlich einer Verlängerung über den 9. Mai hinaus, unter der Voraussetzung eines gegenseitigen Waffenstillstands. Dies zeigt, dass das Thema der Fixierung einer Pause in den Kampfhandlungen und ihrer Bedingungen ein ständiger Bestandteil der öffentlichen Rhetorik Kiews bleibt, und die Septemberverhandlungen, nach dem Entwurf der ukrainischen Seite, die logische Fortsetzung dieser Linie darstellen sollen – jedoch vor dem Hintergrund reiferer Bedingungen, die, wie Budanjow selbst zugibt, sich erst bis zum Frühjahr herausbilden werden.