Ein russisches Gericht hat ein weiteres, das dritte in der Zählung, in Abwesenheit ergreifendes Urteil gegen Kyrylo Budanow, den Leiter des Büros des ukrainischen Präsidenten, gefasst. Laut RBC-Ukraine, unter Berufung auf eine Erklärung Budanows selbst sowie Meldungen der Agentur TASS, wurde gegen ihn angeblich ein Verfahren wegen „Einsatzes verbotener Mittel und Methoden der Kriegsführung“ eingeleitet. Die ukrainische Seite betont, dass solche Entscheidungen der Besatzungsgerichte weder für den Beschuldigten selbst noch für die internationale Gemeinschaft rechtliche Gültigkeit besitzen.
„Dritter Jubiläums-“: Budanows Reaktion
Budanow selbst reagierte mit Ironie auf das Urteil und nannte es seine „dritte Jubiläums-“Festnahme. In seiner Erklärung betonte er, dass die Entscheidungen des sogenannten russischen „Gerichts“ für ihn und die übrige Menschheit keinerlei Bedeutung hätten. „Bedeutung hat nur meine Arbeit, die den Feind in Panik versetzt und ihn zu solchen Meisterwerken des Absurden veranlasst. Ich betrachte solche Handlungen des Feindes als eine Art Anerkennung der Effektivität. Nun gut, die Latte darf man nicht senken, ich werde weiterhin ebenso produktiv arbeiten“, erklärte der Leiter des Büros des Präsidenten.
Chronologie der Festnahmen in Abwesenheit
Laut vorliegenden Informationen handelt es sich bereits um die dritte Festnahme Budanows in Abwesenheit in Russland. Im April 2023 hatte das Lefortowo-Gericht Moskaus eine ähnliche Entscheidung getroffen, als gegen ihn ein Verfahren wegen „Terrorismus“ eingeleitet wurde. Ende 2023 verurteilte das Basman-Gericht Moskaus Budanow ein zweites Mal in Abwesenheit zur Festnahme und erklärte, er sei angeblich an mehr als 100 Drohnenangriffen auf dem Gebiet des Aggressorstaates beteiligt gewesen. Nun, so russische Medien, habe das Gericht die „Beschwerde der Verteidigung“ Budanows angeblich abgewiesen.
Widersprüchliche Angaben
Den russischen Meldungen zufolge enthält eine Reihe von Ungereimtheiten. So wird beispielsweise angegeben, das Gericht habe die „Beschwerde der Verteidigung“ Budanows abgewiesen, während propagandistische Quellen nicht näher ausführen, wer genau als „Verteidigung“ des ukrainischen Leiters, der in der Ukraine auf freiem Fuß lebt, auftritt und was die Grundlage dieser Beschwerde war. Außerdem unterscheiden sich die Formulierungen: Einige Medien schreiben von einer „Festnahme in Abwesenheit“, andere von einem ausgestellten „Festnahmebefehl“. Die ukrainische Seite weist die Legitimität solcher Verfahren selbst zurück und betrachtet sie als Instrument der Propaganda, nicht der Gerechtigkeit.
Kontext: Praxis der Verfahren in Abwesenheit
Die Entscheidung zu Budanow fügt sich in die breitere Praxis von „rechtlichen“ Akten in Abwesenheit ein, die, aus Sicht Kiews, als propagandistisches Instrument eingesetzt werden. Kürzlich verurteilte ein Besatzungsgericht auf dem besetzten Gebiet der Oblast Saporischschja die ukrainische Journalistin Iryna Lewtschenko wegen angeblichen Spionagevorwurfs zu 15 Jahren Haft. Auch verurteilte ein russisches Gericht Connor Kennedy – den Urenkel des 35. US-Präsidenten John Kennedy – in Abwesenheit zur Festnahme und beschuldigte ihn des Söldnerwesens durch seine Teilnahme am Krieg aufseiten der Ukraine.