Der Leiter des Büros des ukrainischen Präsidenten, Kyrylo Budanow, enthüllte in einem Interview mit dem lettischen Fernsehen, was seiner Meinung nach das realistischste Szenario für die Beendigung des Konflikts mit Russland ist. Im Interview nannte er konkrete Parameter für ein mögliches Ende der Kampfhandlungen und betonte die Grundsatzposition Kiews zur territorialen Integrität.

Stopp an der faktischen Frontlinie

„Meine subjektive Meinung ist, dass die realistischste Option für das Kriegsende oder zumindest die Einstellung der Kampfhandlungen – mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine – an der faktischen Frontlinie am Tag der Erreichung einer Vereinbarung wäre“, erklärte Budanow. Es geht also nicht um ein abstraktes „Frieden“, sondern um die Festigung des Status quo zu einem konkreten Datum, an dem ein für die Ukraine entscheidendes Abkommen erzielt wird. Als wichtigen Bestandteil des Szenarios nannte Budanow Sicherheitsgarantien, ohne die ein Waffenstillstand aus seiner Sicht seine Nachhaltigkeit verliert.

Rote Linie: Keine juristische Anerkennung des Verzichtes auf Gebiete

Auf die Frage nach dem Rechtsstatus der Gebiete war Budanow kategorisch: „Das wird nicht geschehen, und niemand wird das tun.“ Unterstrichen wurde, dass die Einstellung der Kampfhandlungen nicht gleichbedeutend mit einer juristischen Anerkennung durch die Ukraine eines Verzichtes auf Teile des Staatsgebiets ist. Diese grundsätzliche Abgrenzung zwischen der faktischen Einstellung des Feuers und den rechtlichen Folgen des Konflikts ermöglicht es Kiew nach eigenem Verständnis, Souveränität und territoriale Integrität im völkerrechtlichen Rahmen zu wahren.

Kontext: Besuch der Sonderbeauftragten Trumps in Kiew

Die Aussagen Budanows kamen vor dem Hintergrund einer aktiven diplomatischen Aktivität Washingtons. Am 6. September reisten die Sonderbeauftragten des US-Präsidenten, Steve Witkoff und Jared Kushner, erstmals nach Kiew. Am Vortag, am 5. September, hatten sie ein dreistündiges Treffen mit Wladimir Putin in Moskau geführt. Laut Donald Trump brachten die Gesandten aus Moskau einen Vorschlag für das Kriegsende mit, während in Kiew ein erheblicher Teil der Gespräche der bevorstehenden Winter und den damit verbundenen Risiken für beide Seiten gewidmet war.

Was das für die Verhandlungsschiene bedeutet

Die von Budanow geäußerte Position formuliert faktisch die minimal akzeptable Option für Kiew, den Konflikt „einzufrieren“: Festlegung der Kontaktlinie ohne Änderung des Rechtsstatus der Gebiete und bei Vorhandensein externer Sicherheitsgarantien. Die Gesamtheit dieser Bedingungen, kombiniert mit dem diplomatischen Impuls durch den Besuch der amerikanischen Sonderbeauftragten, deutet darauf hin, dass sich in der Verhandlungsschiene ein konkretes Rahmenwerk für die Diskussionen herausbildet, auch wenn noch kein endgültiges Abkommen erzielt wurde.