In einem Kinderlager in Bukowel nahmen 110 Kinder aus Familien ukrainischer Verteidiger an einem zweitägigen praktischen Kurs in Taktischer Medizin teil, der der Erkennung kritischer Blutungen und den Regeln zur Anwendung von Tourniquets gewidmet war. Die Kurse fanden im Rahmen des Erholungs- und Rehabilitationsprogramms „Sommer ohne Krieg“ statt und wurden mit Unterstützung des ukrainischen Tourniquet-Herstellers SICH und der gemeinnützigen Organisation „Barmherzigkeit und Gesundheit“ organisiert. Die Unterweisung führte Oleh Leljakin durch – ein Taktischer-Medizin-Instruktor von SICH, ehemaliger Kampfsanitäter und Kriegsveteran, der zwei Tage lang im Format „von der Theorie zur Praxis“ mit den Kindern arbeitete.
Praxis wichtiger als Theorie: So verliefen die Kurse
Das Kursprogramm war um echte Überlebensfähigkeiten aufgebaut. Der Instruktor zeigte den Kindern, wie man eine kritische Blutung anhand visueller Anzeichen erkennt, welche Maßnahmen in den ersten Sekunden zu ergreifen sind und wie man ein Tourniquet korrekt auf eine Extremität anlegt. Ein eigener Block war dem Aufbau und dem Funktionsprinzip des ukrainischen Tourniquets SICH gewidmet – die Kinder studierten das Gerät, den Fixierungsmechanismus und die Reihenfolge der Anwendung. Der Schwerpunkt lag, wie die Organisatoren betonen, auf der eigenständigen Praxis: Unter Aufsicht von Leljakin führten die Kinder die vorgedemonstrierten Handlungen an Übungspuppen aus. Auf dem Gruppenfoto aus den Kursen ist zu sehen, wie ein Jugendlicher ein anatomisches Armmodell hält, das eine Extremität zur Übung der Tourniquet-Anlage imitiert, während der Instruktor daneben die korrekte Technik demonstriert.
Warum das nicht nur für das Schlachtfeld wichtig ist
Eine kritische Blutung ist nicht ausschließlich eine Kriegsverletzung. Ihre Ursache kann ein Verkehrsunfall, eine schwere Alltagsverletzung, ein Arbeitsunfall oder jeder andere Notfall sein. In solchen Situationen zählt jede Minute: Ohne rechtzeitige Stillung der Blutung kann der Flüssigkeitsverlust selbst unter stationären Bedingungen nicht kompensiert werden. Deshalb betonen die Organisatoren des Kurses, dass die grundlegenden Fähigkeiten zur Anlage eines Tourniquets einem möglichst breiten Kreis von Menschen zugänglich sein müssen, einschließlich von Jugendlichen, die in Zukunft Zeugen oder Beteiligte eines Notfalls sein könnten.
„Sommer ohne Krieg“: Das vierte Jahr des Programms
Das Kindererholungs- und Rehabilitationsprogramm „Sommer ohne Krieg“ wird seit dem vierten Jahr umgesetzt. In dieser Zeit nahmen etwa sechstausend Kinder daran teil, und im Sommer 2026 durchliefen mehr als 1 500 Jugendliche das Programm. Die Lager sind in den Karpaten aufgeschlagen und umfassen Exkursionen, sportliche und entwicklungsorientierte Aktivitäten sowie Teamaktivitäten. In diesem Jahr erholen sich in Bukowel Kinder aktiver Soldaten und Veteranen sowie Kinder gefallener Verteidiger der Ukraine und von Kämpfern, die unter besonderen Umständen vermisst werden. Organisatoren des Programms sind die Wohltätigkeitsorganisation „Nach dem Dienst“, die NGO „Barmherzigkeit und Gesundheit“ und das Unternehmen „Ukrainische Panzertechnik“, ein Mitglied des Nationalen Verbandes der Verteidigungsindustrie der Ukraine (NAUDI), das einer der Schlüsselorganisatoren der Lagerturnusse ist.
Die Rolle der Verteidigungsindustrie im Sozialprojekt
An der Umsetzung des Programms sind zwei NAUDI-Mitgliedsunternehmen beteiligt. „Ukrainische Panzertechnik“ ist Organisator der Lagerturnusse, während SICH die praktischen Kurse in Taktischer Medizin sicherstellt. Diese Partnerschaft ermöglicht es, reale Produktionserfahrung und Ingenieurslösungen der Verteidigungsbranche in den Bildungsprozess für Kinder zu integrieren. Für SICH, den größten ukrainischen Tourniquet-Hersteller, bedeutet die Teilnahme am Projekt auch die Möglichkeit, den Aufbau und das Funktionsprinzip des eigenen Produkts unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu zeigen – auch durch die Arbeit mit einem jungen Publikum.
Kontext: Die Rückkehr der Kinder aus den Karpaten
Wie zuvor berichtet, kehrten auch die Kinder der Soldaten des 1. Separaten Brigades der Spezialkräfte der Streitkräfte der Ukraine im Namen Iwan Bohuns von einer achttägigen Reise in die Karpaten zurück, an der neben Kindern aktiver Militärangehöriger auch Kinder gefallener Helden und vermisster Kämpfer teilnahmen. Damit umfasst das Programm „Sommer ohne Krieg“ 2026 Kinder aus verschiedenen militärischen Formationen und Regionen und vereint sie im Rahmen eines einheitlichen Systems der Erholung und Entwicklung mit Elementen der angewandten Ausbildung.