Für Millionen von Zuschauern weltweit blieb Carrie Fisher für immer Prinzessin Leia Organa — jene Kult-Heldin mit den markanten Steckfrisuren, die gegen das Galaktische Imperium kämpfte und selbst Darth Vader Paroli bot. Doch jenseits von George Lucas' Weltraum-Saga führte die Schauspielerin ein völlig anderes, ebenso ereignisreiches Leben: komödiantische und dramatische Rollen im Hollywood-Kino, Gastauftritte in Kult-Serien, Bestseller-Bücher, Drehbucharbeiten und ehrliche Stand-up-Auftritte, in denen sie ungeschönt aus ihrem Leben erzählte. Wir beleuchten die wichtigsten Stationen auf Carrie Fishers Weg — von der Broadway-Bühne bis hin zur Generalin des Widerstands.

Kindheit in einer Familie voller Berühmtheiten

Carrie Fisher wurde am 21. Oktober 1956 in Beverly Hills in eine Familie hineingeboren, die bereits fest zum amerikanischen Showgeschäft gehörte. Ihr Vater Eddie Fisher war ein bekannter Sänger, ihre Mutter Debbie Reynolds eine Schauspielerin und der Star von Hollywood-Musicals. Die Kindheit der künftigen Darstellerin war von Prominenz umgeben, doch das Familienleben verlief unbeständig: Als Carrie etwa zwei Jahre alt war, ließen sich die Eltern scheiden. Eddie Fisher verließ die Familie für eine Beziehung mit der Schauspielerin Elizabeth Taylor, während das Mädchen bei der Mutter blieb. Diese Erfahrung sollte später tiefen Niederschlag in ihrem literarischen Schaffen finden.

Erste Schritte: Vom Broadway zu «Shampoo»

Mit 15 Jahren stand Fisher zum ersten Mal professionell auf der Bühne — sie spielte im Broadway-Musical «Irene» an der Seite ihrer Mutter Debbie Reynolds. Ihr Filmdebüt folgte 1975: Carrie erhielt eine Rolle in Hal Ashbys Komödie «Shampoo», an der Seite von Warren Beatty, Julie Christie und Goldie Hawn. Genau dieser Film diente als Sprungbrett, das sie zwei Jahre später ins Zentrum des filmischen Ereignisses des Jahrhunderts katapultierte.

Prinzessin Leia: Die Rolle, die alles veränderte

1977 kam George Lucas' Original-«Krieg der Sterne» in die Kinos. Carrie Fisher war gerade einmal 19 Jahre alt, als sie Leia Organa spielte — eine Prinzessin, die gegen das Galaktische Imperium kämpfte. Ihre Figur unterschied sich deutlich von den üblichen Frauenklischees des damaligen Abenteuerkinos: Leia wartete nicht darauf, gerettet zu werden — sie kommandierte Rebellen, nahm an gefährlichen Missionen teil, stritt mit Han Solo und stand selbst Darth Vader mutig gegenüber. Die charakteristische Frisur, das weiße Outfit und scharfzüngige Replikate machten Leia zu einer der ikonischsten Heldinnen der Kinogeschichte. Fisher kehrte für «Das Imperium schlägt zurück» (1980) und «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» (1983) in die Rolle zurück und schlüpfte 2015 in «Das Erwachen der Macht» erneut in das Kostüm, in dem ihre Figur zur Generalin Leia aufstieg und den Widerstand anführte.

Jenseits der Galaxis: Komödien, Dramen und Serien

Der Ruhm hatte auch seine Schattenseiten: Das Publikum verband die Schauspielerin so stark mit Leia, dass es schwerfiel, diesem Image zu entkommen. In späteren Interviews erzählte Fisher humorvoll, wie Menschen sie auf der Straße erkannten und sie so ansprachen, als wäre sie noch immer die Prinzessin aus einer weit, weit entfernten Galaxis. Besonders viel Aufmerksamkeit zog Leias Metall-Bikini aus «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» auf sich — die Schauspielerin scherzte oft darüber und erinnerte sich, dass sie sich während der Dreharbeiten darin nicht sonderlich wohlfühlte. Um nicht auf eine Rolle festgelegt zu werden, übernahm Fisher parallel dazu Rollen in Komödien und Dramen: 1980 trat sie in «Blues Brothers» auf, 1986 spielte sie April in Woody Allens «Hannah und ihre Schwestern» und 1989 übernahm sie die Rolle der Marie in der Romcom «Harry und Sally». Ihre Filmografie umfasst zudem «Meine teuflischen Nachbarn» (1989), «Julia und ihre Lovers» (1991) und «Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat» (1997). Im Fernsehen war sie in Serien wie «Sex and the City», «30 Rock» und «The Big Bang Theory» zu sehen. Für einen Gastauftritt in «30 Rock» erhielt sie 2008 eine Emmy-Nominierung. In diesen Arbeiten spielte sie oft Figuren mit einem sarkastischen Humor, der ihrem eigenen sehr ähnelte, weshalb ihre komödiantischen Auftritte absolut authentisch wirkten.

Eine Feder, die der Kamera in nichts nachstand

1987 überraschte Carrie Fisher das Publikum mit einem weiteren Talent: Sie veröffentlichte ihren Debütroman «Postcards from the Edge» (auf Deutsch als «Gekidnapped!» bzw. «Wunschkind» bekannt). Das Buch wurde zum Bestseller und gewann den PEN Center USA Award für den besten Debütroman. Im Mittelpunkt steht eine junge Schauspielerin, die nach einer schwierigen Phase versucht, in ihr normales Leben zurückzukehren und das Verhältnis zu ihrer Mutter zu kitten. Das Werk wies deutliche autobiografische Züge auf, basierend auf Fishers Erfahrungen als Tochter zweier Berühmtheiten, doch sie verwandelte persönliche Krisen in eine ironische, fiktive Geschichte. Der Roman wurde 1990 verfilmt, was bewies, dass Carrie Fisher nicht nur eine Schauspielerin, sondern eine vollwertige Autorin war, die im Literaturbetrieb auf Augenhöhe mitmischen konnte.

Ein Vermächtnis, das sich nicht in eine Rolle drängen lässt

Carrie Fisher verstarb im Dezember 2016, doch ihr Vermächtnis reicht weit über ein einzelnes Weltraum-Franchise hinaus. Sie bewies, dass man gleichzeitig Prinzessin und sarkastische Komödiantin, Hollywood-Star und Bestseller-Autorin, eine Mutter mit einer schwierigen Familiengeschichte und eine knallhart ehrliche Bühnenkünstlerin sein kann. Für eine Generation von Zuschauern, die mit «Star Wars» aufgewachsen sind, bleibt sie für immer Leia Organa. Doch für diejenigen, die sie breiter kannten, war sie einfach Carrie Fisher: scharf, witzig, ehrlich und absolut nicht bereit, «nur eine Prinzessin» zu sein.