Das spanische Exklave Ceuta, das in den letzten Tagen zum Epizentrum einer beispiellosen Migrationskrise wurde, kehrt allmählich zum normalen Leben zurück. Der Massen-Durchbruch, bei dem innerhalb von 24 Stunden etwa 60.000 Menschen die Grenze überquerten, liegt hinter uns, doch die Folgen des Ereignisses werden weiterhin spürbar. Nach neuesten Schätzungen des Staatssicherheitsdienstes haben bereits rund 73.500 Migranten das Gebiet der Exklave verlassen.
Komplexe Statistik und versteckte Gruppen
Experten betonen, dass die Zahl von 73.000 Personen eine Schätzung ist. Sie kann Personen umfassen, die einige Tage vor dem Hauptereignis in die Stadt kamen, sowie diejenigen, die Ceuta mehrfach betreten und verlassen haben. Trotz des massiven Abflusses hat sich die Lage in der Stadt noch nicht vollständig stabilisiert. Auf den zentralen Straßen, in den bewaldeten Gebieten und am Stadtrand patrouillieren weiterhin kleine Gruppen von Migranten, die sich weigern, freiwillig zurückzukehren.
Die Polizei stellt fest, dass es äußerst schwierig ist, die genaue Anzahl der verbliebenen Personen zu ermitteln. Gruppen von drei bis fünf Personen werden regelmäßig in verschiedenen Stadtteilen gesichtet, was die Strafverfolgungsbehörden zusätzlich belastet.
Tragödie an der Grenze: Diskrepanz in den Zahlen
Der Preis für den Massen-Durchbruch war hoch. Der Regierungsdelegierte in Ceuta, Miguel Ángel Pérez, aktualisierte die Daten zu den Todesopfern: Die Anzahl der aus dem Meer geborgenen Leichen stieg auf 72. Regierungsbeamte betonten, dass es vor dem Ereignis am Donnerstag keine Geheimdienstinformationen über einen bevorstehenden Durchbruch gab.
Doch unabhängige Quellen nennen beunruhigendere Zahlen. Der Vereinigte Verband der Zivilgarde (AUGC) schätzt die Zahl der Todesopfer während des Vorfalls auf mehr als 100. Nach Angaben des Vereins versuchten an jenem Tag fast 60.000 Personen, in die Exklave einzudringen, was die größte Migrationskrise in der Geschichte Ceutas darstellt.
Neue Barrieren und Einsatz der Streitkräfte
Um ein Wiederholen solcher Vorfälle zu verhindern, haben die Behörden entschlossene Maßnahmen ergriffen. Das Innenministerium teilte mit, dass die maritimen Abschreckungsbarrieren rund um den Wellenbrecher vollständig in Betrieb genommen wurden. Es handelt sich um eine pneumatische Konstruktion mit einer Länge von 500 Metern, die sich 30–70 Zentimeter über das Wasser erhebt und einen Meter tief ins Wasser reicht. Zusätzlich ist die Linie durch verankerte Bojen geschützt, die von der spanischen Marine installiert wurden.
Zur Stabilisierung der Lage wurden Militäreinheiten in die Stadt entsandt. Der Grenzübergang am Morgen verläuft derzeit im üblichen Modus, obwohl in den nächsten Stunden im Rahmen der Operation „Querung der Meerenge“ ein Anstieg des Passagieraufkommens erwartet wird. Die Behörden geben an, dass die Stadt schrittweise zum Alltag zurückkehrt, räumen jedoch ein, dass „noch viel Arbeit vor uns liegt“, um die Folgen der Krise zu bewältigen.