Am 9. August 2026 markierte die chinesische Energiebranche einen historischen Meilenstein. Die staatliche China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) nahm offiziell das erste schwimmende Windkraftwerk des Landes mit einer Plattform auf Zugseilen (TLP – Tension Leg Platform) in Betrieb. Die Anlage, die den Namen Haiyou Anlan trägt, ist bereits an das Stromnetz des Offshore-Ölfelds Lufeng angeschlossen und liefert Strom. Dieses Projekt markiert den Übergang von experimentellen Modellen zur industriellen Einführung der Tiefsee-Windenergie in China.
Technologischer Durchbruch in 136 km Entfernung zur Küste
Die geografische Lage der Anlage Haiyou Anlan ist bereits an sich ein Rekord. Die Plattform befindet sich im Südchinesischen Meer, etwa 136 Kilometer von der Küste entfernt und in einer Tiefe von rund 136 Metern. Das entspricht einer Position etwa 200 km südöstlich der Megastadt Shenzhen. Die Wahl dieses abgelegenen und tiefen Gewässers ist nicht zufällig: Hier sind die Winde stärker und stabiler, und der Bau traditioneller Fundamente am Meeresboden wird wirtschaftlich und technisch unrentabel. Laut CNOOC ist Haiyou Anlan die leistungsmäßig größte schwimmende Windkraftanlage vom TLP-Typ der Welt.
Gigantische Ausmaße und Widerstandsfähigkeit gegen Taifune
Die Konstruktion der Turbine beeindruckt durch ihre Dimensionen. Die Gesamthöhe der Anlage entspricht einem 110-stöckigen Wolkenkratzer, und ihre Gesamtmasse beträgt etwa 7800 Tonnen. Der Rotordurchmesser der Turbine ist so groß, dass die von den Rotorblättern überstrichene Fläche der von 7,5 Fußballfeldern entspricht. Die 16-MW-Turbine ist für eine Lebensdauer von 25 Jahren ausgelegt. Bei der Konstruktion wurde besonderes Augenmerk auf die Überlebensfähigkeit unter extremen Wetterbedingungen der Region gelegt: Die Plattform kann Taifune der Kategorie 17 standhalten, was ein kritischer Parameter für die Gewässer des Südchinesischen Meeres ist.
Innovative TLP-Plattform
Hauptmerkmale des Projekts ist die Verwendung einer TLP-Plattform. Im Gegensatz zu herkömmlichen Offshore-Windkraftanlagen, die auf massiven Fundamenten fest verankert sind, oder halbtauchenden Plattformen, die treiben können, bleibt die TLP schwimmend, ist aber in der vertikalen Ebene starr fixiert. Die Konstruktion wird durch fast vertikale, gespannte Seile gehalten, die mit Ankern am Meeresboden verbunden sind. Die ständige Spannung dieser Seile begrenzt die Bewegung der Plattform unter dem Einfluss von Wellen und Strömungen und gewährleistet eine hohe Stabilität bei minimalem Grundriss. Dies ermöglicht eine erhebliche Reduzierung des Stahlverbrauchs und der beanspruchten Wasserfläche.
Wirtschaftlicher Nutzen und Ökologie
Nach Erreichen der Nennleistung soll Haiyou Anlan jährlich etwa 54 Millionen kWh Strom produzieren. Die gesamte Erzeugung wird direkt im Ölfeld Lufeng verwendet, um Bohrungen und den Betrieb der Plattform mit Energie zu versorgen. Nach Schätzung von CNOOC wird dies eine jährliche Ersparnis von rund 15.000 Kubikmetern Dieselkraftstoff ermöglichen, der zuvor von Generatoren im Feld verbraucht wurde. Ökologisch gesehen wird das Projekt die CO2-Emissionen jährlich um etwa 35.000 Tonnen reduzieren, was den Zielen Chinas zur Kohlenstoffneutralität entspricht.
Herausforderungen bei der Montage und die Zukunft der Tiefsee-Energie
Die Montage der TLP-Plattform erwies sich als deutlich komplexer als die von herkömmlichen Offshore-Plattformen. Dies erforderte eine besondere Präzision bei der Installation der Anker und der Verbindung der Unterwasserbauteile. Für den Bau von Haiyou Anlan entwickelte CNOOC ein eigenes Verankerungssystem und Technologien zur hochpräzisen Befestigung am Meeresboden. Bei der Unterwassermontage nutzten Ingenieure eine dreidimensionale Modellierung des Meereszustands, die es laut dem Unternehmen ermöglichte, Verbindungen mit Millimetergenauigkeit herzustellen. Das Projekt wird als Testgelände für zukünftige Tiefsee-Windparks betrachtet. Für China ist dies besonders relevant, da es die Stromerzeugung in der Nähe der industriellen Zentren im Osten ermöglicht, ohne auf die Energieübertragung aus dem Westen des Landes angewiesen zu sein.