Das US-Finanzministerium veröffentlichte am 18. August Daten, wonach der Bestand an US-Staatsanleihen in chinesischem Besitz von 659,3 Mrd. US-Dollar im Mai 2026 auf 633,4 Mrd. US-Dollar im Juni 2026 gesunken ist. Nach Einschätzung des Ministeriums handelt es sich um den niedrigsten Stand seit September 2008 – also seit fast 18 Jahren. Die Verringerung um 25,9 Mrd. US-Dollar innerhalb eines Monats bestätigt die anhaltende mehrjährige Tendenz, die Peking seit der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump an den Tag legt: Vor dem Hintergrund der angespannten bilateralen Beziehungen reduziert China konsequent den Anteil der US-Schulden in seinem Währungsreservenkorb.
Kontext: Auch die ausländische Nachfrage nach US-Schulden kühlt ab
Der Rückgang der chinesischen Position ist kein isoliertes Phänomen. Im selben Zeitraum sank das Gesamtvolumen der US-Staatsanleihen in den Händen ausländischer Investoren von 9,371 Bio. auf 9,299 Bio. US-Dollar. Der größte ausländische Gläubiger – Japan – reduzierte seine Bestände auf 1,12 Bio. US-Dollar, Großbritannien auf 939,9 Mrd. US-Dollar. Peking handelt also im Einklang mit der allgemeinen Verlangsamung der ausländischen Nachfrage nach US-Schulden und nicht gegen sie.
Makroebene: Renditen, Fed und Geopolitik
Im Juni 2026 verschärfte sich die Spannung zwischen den USA und dem Iran, während auf dem Markt Unsicherheit über die Richtung der Geldpolitik der Federal Reserve herrschte. Vor diesem Hintergrund erreichte die Rendite langfristiger US-Staatsanleihen kürzlich mehrjährige Höchststände, getrieben von Sorgen über die finanzielle Tragfähigkeit Washingtons. Hohe Renditen machen das Halten langer Treasuries für Reservemanager weniger attraktiv, was die Rotation von Anlagen zusätzlich anregt.
Gold statt Treasuries: 21 Monate in Folge
Im Gegensatz zur Tendenz zum Rückgang der US-Anleihebestände baut China seine Goldreserven beständig aus. Die Volksbank von China kaufte 21 Monate in Folge Gold – Stand Juli 2026 – und erhöhte die Gesamtgoldreserven auf 76,08 Mio. Unzen. Diese parallele Dynamik deutet auf eine strukturelle Diversifizierung hin: Peking veräußert nicht einfach US-Schulden, sondern verschiebt seine Reserven hin zu „sicheren“ Anlagen, die nicht von der US-Jurisdiktion abhängen.
Widersprüchliche Angaben
Unterschiedlich sind vor allem die Interpretationen, nicht die Zahlen selbst. Einige Analysemedien (darunter die ukrainische Minfin) beschreiben die Entwicklung als aktiven „Verkauf“ von Treasuries durch China und betonen deren Signalwirkung für den Dollar. Andere Quellen werten denselben monatlichen Rückgang um 25,9 Mrd. US-Dollar als Fortsetzung einer sanften, mehrjährigen Diversifizierung und nicht als einmaligen Verkauf. Zudem wurden die Daten für Juni 2026 mit Verzögerung veröffentlicht – am 18. August –, was eine Lücke von zwei Monaten zwischen dem tatsächlichen Zeitraum und der Offenlegung bedeutet; in einigen Veröffentlichungen waren zuvor Daten für Februar 2026 genannt worden, was gelegentlich zu Verwirrung in der Chronologie führt. Die Zahlenwerte (633,4 Mrd. US-Dollar, Tiefststand seit September 2008) stimmen in allen überprüften Quellen überein.