Laut Berichten der South China Morning Post plant der finnische Konzern Nokia, bis Ende des laufenden Jahres 2026 den Großteil seiner Tochtergesellschaften auf dem Gebiet der Volksrepublik China zu schließen und das lokale Personal schrittweise abzubauen. Die Entscheidung, den Markt zu verlassen, auf dem das Unternehmen seit mehr als 40 Jahren vertreten war, ist laut Experten auf den hohen Wettbewerb seitens lokaler Anbieter zurückzuführen. Betroffen von den Kürzungen sind Mitarbeiter sowohl im Bereich der Mobilfunknetze als auch im Bereich der Netzwerk-Infrastruktur insgesamt. Der Großteil der Maßnahmen zur Personaloptimierung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Umfang der Präsenz und Kündigungsbedingungen

Zum Ende des vergangenen Jahres beschäftigte Nokia in der VR China, Hongkong und Taiwan zusammen etwa 7200 Mitarbeiter. Der genaue Anteil des Personals, der im Festlandchina seinen Arbeitsplatz verliert, wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht offengelegt. Die Vertretungen des Unternehmens sind in fünf großen Städten der VR China tätig, darunter Peking und Schanghai. Allein im Nokia-Forschungszentrum in Hangzhou arbeiteten rund 1600 Mitarbeiter, von denen laut Schätzungen der Großteil das Risiko eines Arbeitsplatzverlusts trägt. Bereits entlassene Mitarbeiter der chinesischen Tochtergesellschaften berichteten, dass ihre Abfindung nach der Formel „N+3“ berechnet wird, wobei zu den Dienstjahren (N) noch drei Monatsgehälter hinzukommen. Ein Teil der chinesischen Fachkräfte wurde an die finnische Zentrale versetzt.

Ökonomie des Rückzugs: Umsatzrückgang und Integration der „Tochter“

Die Finanzdynamik in China verschlechterte sich kontinuierlich: Seit 2019 ist der Umsatz von Nokia auf diesem Markt nahezu halbiert worden – auf 913 Mio. Euro, und der Anteil der Region am weltweiten Umsatz des Unternehmens sank von 7,9 auf 4,6 Prozent. Dabei war China 2010 für Nokia der wichtigste Absatzmarkt mit einem Umsatz von 7,62 Mrd. Euro. In der Phase der 5G-Expansion in den letzten Jahren verlor das finnische Unternehmen rasant an Boden gegenüber den chinesischen Huawei Technologies und ZTE. Seit Ende des vergangenen Jahres hält Nokia allein die Anteile an seiner chinesischen Tochtergesellschaft, deren Anteil er von Huaxin übernommen hatte; die Integration dieses Geschäfts wird dem Unternehmen allein im laufenden Jahr 350 Mio. Euro kosten. Zukünftig rechnet Nokia mit jährlichen Einsparungen von 200 Mio. Euro und plant, die Integration der chinesischen „Tochter“ in zwei Jahren abzuschließen, schneller als ursprünglich vorgesehen.

Widersprüchliche Daten

Zwischen der offiziellen Rhetorik von Nokia und den Einschätzungen der Experten besteht ein deutlicher Unterschied. In ihren Kommentaren merkte das Unternehmen lediglich an, dass das Geschäft in China „seit langem rückläufig“ sei, daher müssten die Dimensionen der lokalen Geschäftstätigkeit „im Hinblick auf die neuen Realitäten angepasst werden“, und es lehnte es ab, die Schließung von Standorten und Kündigungen zu kommentieren. Die Experten interpretieren die Beibehaltung im Land nur von Fachkräften für den After-Sales-Service von Ausrüstung als gleichwertig einem schrittweisen Rückzug vom Markt. Außerdem gibt es in öffentlichen Quellen keine einheitliche Zahl zum Anteil der gekürzten Belegschaft: Bekannt ist nur die Gesamtzahl der Mitarbeiter in der VR China, Hongkong und Taiwan (etwa 7200), aber nicht die Verteilung der Kündigungen nach Regionen und Geschäftsbereichen.

Historischer Kontext und Trend unter westlichen Unternehmen

Nokia war seit 1985 in der VR China vertreten, als dort seine Vertretung in Peking eröffnet wurde. In den 1990er-Jahren beteiligte sich das Unternehmen aktiv an der Entwicklung der nationalen Infrastruktur der Kommunikationsnetze, und seine Mobilgeräte waren auf dem lokalen Markt ziemlich beliebt. In den letzten Jahren jedoch, vor dem Hintergrund des wachsenden Wettbewerbs und der Ausrichtung der Infrastruktur der VR China auf Importsubstitution, sehen sich westliche Konzerne immer häufiger gezwungen, ihre lokale Tätigkeit einzustellen. In ähnlicher Weise haben bereits IBM, Microsoft und Amazon entsprechende Schritte unternommen, was den Rückzug Nokias zu einem Teil eines breiteren Trends der Neujustierung der Präsenz westlicher Unternehmen auf dem chinesischen Markt macht.