Der chinesische Technologieriese Huawei Technologies setzt seinen strategischen Kurs zur Erreichung vollständiger technologischer Unabhängigkeit von westlichen Komponenten und Entwicklungen fort. Seit der Verhängung strenger Sanktionen durch die Vereinigten Staaten im Jahr 2019 transformiert das Unternehmen systematisch seine Lieferketten, entwickelt eigene Prozessorlösungen und fördert deren Massenproduktion direkt in Festlandchina. Eine neue Etappe dieses großangelegten Prozesses könnte die Abkehr von standardmäßigen ausländischen Architekturen zugunsten eigener Entwicklungen sein.
Voraussetzungen und geopolitische Risiken
Den Informationen des Fachportals EE Times zufolge sieht sich das Unternehmen trotz einer unbefristeten Lizenz von Huawei für die Nutzung der beliebten Prozessorarchitektur Armv8 mit schwerwiegenden Einschränkungen konfrontiert. Lizenzvereinbarungen und geopolitische Risiken erlauben es dem chinesischen Hersteller nicht, auf eine ungehinderte Einführung der neueren Armv9-Architektur zu zählen. Unter diesen Umständen haben das Management und die Ingenieure des Unternehmens einen radikalen Schritt ernsthaft in Betracht gezogen: die Abkehr von den vertrauten Arm- und RISC-V-Architekturen zugunsten einer eigenen proprietären Entwicklung namens LinxISA.
Besonderheiten der neuen LinxISA-Architektur
Derzeit sind alle technischen Dokumentationen und Spezifikationen zur LinxISA-Architektur überwiegend in chinesischer Sprache veröffentlicht. Expertenanalysen zeigen, dass diese Entwicklung prinzipiell darauf ausgerichtet ist, Rechenbefehle in ganzen Blöcken statt nacheinander einzeln auszuführen, wie es in herkömmlichen Systemen implementiert ist. Ein solcher Ansatz soll ein hohes Maß an Parallelität bei der Datenverarbeitung gewährleisten, was in der modernen Realität der künstlichen Intelligenz, mobiler Systeme und des High-Performance-Computing äußerst gefragt ist.
Aussichten für die Integration in zukünftige Komponenten
Derzeit merken Experten an, dass der kürzlich vorgestellte fortschrittliche Prozessor HiSilicon Kirin 9050 Pro, der das Falt-Smartphone Huawei Mate XT 2 antreibt, noch nicht auf der LinxISA-Architektur basiert. Angesichts der Strategie des Unternehmens, die vollständige technologische Souveränität zu erlangen, erscheint die Integration von LinxISA in zukünftige Chip-Generationen jedoch sehr wahrscheinlich. In Kombination mit einem eigenen Betriebssystem und einer entwickelten Halbleiterfertigungslinie wird dies Huawei ermöglichen, ein völlig unabhängiges Hard- und Software-Ökosystem zu schaffen.
Widersprüchliche Daten
In der Expertengemeinschaft und den Fachmedien bestehen weiterhin gewisse Diskrepanzen hinsichtlich des Zeitplans für die vollständige kommerzielle Einführung von LinxISA und dem tatsächlichen Grad der Software-Bereitschaft für die neue Architektur. Während westliche Analysten auf ernsthafte Barrieren bei der Migration vom bewährten Arm-Ökosystem verweisen, betonen chinesische Quellen den hohen Grad an Autonomie in Huaweis Entwicklungen und die Verfügbarkeit bereits einsatzbereiter Chip-Muster, die die blockweise Befehlsverarbeitung nutzen.