Im diplomatischen Umfeld Syriens zeichnet sich eine erhebliche Verschiebung ab. Im Mittelpunkt stehen die Energieversorgung: Damaskus ist bereit, die Einfuhr russischen Öls drastisch zu reduzieren, im Gegenzug für eine Lockerung des Sanktionsregimes durch Washington. Dies berichtet Reuters unter Berufung auf Quellen, die mit den Verhandlungen vertraut sind.

Der Energie-Deal

Syrien, das in den letzten Jahren kritisch von russischen Energieträgern abhängig war, hat sich auf harte Maßnahmen geeinigt. Nach Angaben diplomatischer Quellen haben syrische Beamte seit mehreren Monaten den USA gegenüber ihre Bereitschaft bekundet, ihre Einkäufe zu überdenken. Diese Entscheidung würde eine fundamentale Änderung in der Energiepolitik des Landes darstellen, das zuvor bei der Frage eines Verzichts auf russische Mengen zögerte.

Experten werten diesen Schritt als neues Druckmittel der USA auf die wirtschaftliche Präsenz Russlands in der Region. Der Übergang birgt jedoch Risiken. Wie Nawwar Saban, Analyst am Arab Center for Modern Studies, anmerkt, ist ein sofortiger Ersatz der russischen Ölmengen ohne Gefahr einer Treibstoffknappheit und eines starken Preisanstiegs auf dem syrischen Binnenmarkt nicht möglich.

Die Position Washingtons und der SST-Status

Ein Sprecher des US-Außenministeriums bestätigte, dass Washington Damaskus auffordert, bei der Wiederherstellung des Landes mit verlässlichen Unternehmenspartnern, insbesondere amerikanischen Firmen, zusammenzuarbeiten. Es wird erwartet, dass Syrien die US-Sanktionen gegen Russland einhalten wird.

Gleichzeitig hat die amerikanische Seite eine wichtige Klarstellung hinzugefügt: Formal besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Aufhebung des Status eines sanktionierten Landes und der Reduzierung der Einfuhr russischen Öls. Dennoch hat Washington im Verlauf der Diskussionen von Syrien eine Verpflichtung erhalten, die Einkäufe drastisch zu senken. US-Beamte teilten ihren damaszener Kollegen direkt mit: Ein Verzicht auf russisches Öl würde die Chancen auf eine schnelle und problemlose Aufhebung des SST-Status erhöhen (Super 301 Trade Act / Special State of Terrorism – im Kontext des Textes als seit 1979 geltende Sanktionsmarke erwähnt).

Wichtig ist zu beachten, dass die umfassenden Sanktionen gegen das Land bereits nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad aufgehoben wurden. Der verbleibende SST-Status ist derzeit die einzige große Sanktionsmarke, die gegen Syrien gilt.

Neue Akteure auf dem Markt

Die syrische Seite reagierte auf die US-Vorschläge mit der Bereitschaft, ein weit verzweigtes Netz der Energieversorgung zu schaffen. Ein Vertreter der syrischen Energiebranche erklärte gegenüber Reuters, dass Damaskus bereits nach neuen Lieferanten sucht und „radikale Änderungen“ erwartet werden.

Die ersten Schritte in diese Richtung wurden bereits unternommen:

  • Im Juli diskutierte das französische Ölunternehmen TotalEnergies mit den syrischen Behörden die Möglichkeit eines Vertrags zur Erkundung von Lagerstätten auf dem Schelf.
  • Im Juni schloss Syrien ein Abkommen mit ConocoPhillips und Novaterra über die Wiederaufnahme der Gasförderung.

Parallel zu diesen Ereignissen finden auf dem Weltmarkt weitere Veränderungen statt. Indische Raffinerien haben beispielsweise die Einkäufe von russischem Rohöl erhöht und umgehen dabei die US-Sanktionen über Zwischenhändler. Gleichzeitig ändern die USA nach Jahren der Sanktionen ihren Ansatz gegenüber Syrien: Präsident Donald Trump erklärte seine Bereitschaft, das Land von der Liste der Staaten, die Terrorismus finanzieren, zu streichen.