Der russische Elektronikmarkt hat seinen einzigen inländischen Akteur verloren. Das Schiedsgericht Moskau hat offiziell die Firma „Kvant' für insolvent erklärt – das einzige Unternehmen, das im offiziellen Register des russischen Ministeriums für Industrie und Handel als Hersteller von Fernsehgeräten gelistet war. Diese Entscheidung setzte den Schlusspunkt unter die Geschichte einer Fabrik, die versuchte, mit den Giganten des asiatischen Marktes zu konkurrieren.
Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf das Magazin „Kommersant' berichtet, wurde das Insolvenzverfahren vom großen Einzelhändler DNS eingeleitet. Die Elektronik-Kette reichte Klage ein, da das Unternehmen ihr mehr als 600 Millionen Rubel (etwa 7,6 Millionen Dollar) schuldete. Allerdings erwies sich das Ausmaß des Problems als weit größer: Im weiteren Verlauf des Gerichtsverfahrens schlossen sich weitere 24 Gläubiger an.
Das Ausmaß der Schuldenfalle
Die Gesamtsumme der finanziellen Forderungen gegen das LLC „Kvant' belief sich auf fast 4,15 Milliarden Rubel (etwa 53 Millionen Dollar). Auf der Liste der Gläubiger befanden sich die größten Akteure der russischen und internationalen Wirtschaft. Zu denen, denen das Unternehmen Geld schuldet, gehören:
- Die Konzerne „Jandex' und „Sberbank';
- Die Technologiegruppe Sitronics Group;
- Der Marktplatz Ozon;
- Der metallurgische Riese „Severstal';
- Die chinesische transnationale Korporation TCL.
Diese Zusammensetzung der Gläubiger zeugt von der tiefen Integration der Fabrik in Liefer- und Vertriebsketten, deren Riss zu fatalen Konsequenzen führte.
Geschichte und Gründe für den Zusammenbruch
Das LLC „Kvant' wurde 2016 in Selenograd registriert. Die Produktion von Technik unter der Marke Irbis wurde auf den Standorten in Woronesch und Selenograd aufgebaut, wobei die Kapazitäten einer ehemaligen sowjetischen Fabrik genutzt wurden. Allerdings hatten sich die Probleme im Unternehmen über Jahre angesammelt, und im vergangenen Jahr wurde die Produktion vollständig eingestellt.
Als Hauptgrund für den Zusammenbruch wird die fehlende Nachfrage genannt. Das Paradoxon der Situation bestand darin, dass die Irbis-Fernseher nicht nur von normalen Käufern ignoriert wurden, die günstigere chinesische Alternativen wählten, sondern auch vom staatlichen Sektor. Trotz der Direktiven des russischen Ministeriums für Industrie und Handel, die staatliche Einrichtungen verpflichten, ausschließlich russische Technik zu kaufen, konnten die inländischen Fernseher selbst auf dem geschützten Markt keine Abnehmer finden.
Systemische Wirtschaftskrise
Die Insolvenz von „Kvant' ereignet sich vor dem Hintergrund alarmierender Signale in der russischen Wirtschaft. Kürzlich erklärte Wladislaw Wlasjuk, der vom Präsidenten für Fragen der Sanktionspolitik Bevollmächtigte, dass die Schlüsselindikatoren auf eine systemische Krise hindeuten, trotz der optimistischen Aussagen der Behörden über die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft. Nach Ansicht von Experten erinnert die Situation im Aggressorstaat immer mehr an den Zustand eines insolventen Staates.