Die Lage am größten Atomkraftwerk Europas hat sich erneut verschärft. Am 4. August verlor das von Russland kontrollierte Kernkraftwerk Saporischschja die externe Stromversorgung. Der Vorfall dauerte fast eine Stunde, bevor die Stromversorgung wiederhergestellt werden konnte.
Während des Ausfalls arbeitete das Kraftwerk ausschließlich mit Notstromdieselgeneratoren. Ihr Einsatz ist notwendig, um die nukleare und radiologische Sicherheit aufrechtzuerhalten, doch dieser Betriebsmodus ist gezwungen und belastet die Anlagen kritisch.
Zweiter Vorfall innerhalb einer Woche
Der Vorfall am 4. August war eine Wiederholung der Ereignisse von nur wenigen Tagen zuvor – am 1. August. Die Häufigkeit von Stromausfällen ist stark angestiegen. Laut dem ukrainischen Betreiber „Energoatom“ war dies bereits der 12. Blackout im Kraftwerk seit Anfang 2026 und der 24. seit Beginn der russischen Besetzung.
Die Statistik ist beunruhigend: Die Hälfte aller Fälle eines vollständigen Verlusts der externen Stromversorgung während der Kontrolle durch russische Truppen fiel auf das laufende Jahr. Experten und Betreiber des Kraftwerks betonen, dass jeder solche Ausfall eine direkte Bedrohung für die Sicherheit darstellt.
Militärische Risiken und Abhängigkeit von Generatoren
„Energoatom“ erklärt, dass eine Abhängigkeit von Dieselgeneratoren für ein Kraftwerk dieser Größenordnung unzulässig ist. Dies wird als weiterer Beweis für die kritischen Risiken gewertet, die durch die illegale Besetzung verursacht werden. Eine sichere Betriebsführung ist nach Ansicht des Betreibers nur möglich, wenn die Anlage wieder unter die volle Kontrolle der Ukraine zurückkehrt.
Ein zusätzlicher Risikofaktor besteht in der militärischen Nutzung des Kraftwerksgeländes. Nach Angaben der ukrainischen Seite lagern russische Streitkräfte Waffen und Ausrüstung auf dem Objekt und nutzen es zudem für den Start von Kampfdrohnen. Eine solche Aktivität verwandelt die nukleare Anlage in ein potenzielles Ziel und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer technologischen Katastrophe erheblich.