Ukrainische Energieversorger haben den Betrieb der Leitung wieder aufgenommen, die die externe Stromversorgung des vorübergehend besetzten Atomkraftwerks Saporischschja sicherstellt. Wie das Staatsunternehmen „Enerhoatom“ mitteilte, gelang es, das Kraftwerk nach einer Phase, in der die kritischen Systeme ausschließlich über Dieselgeneratoren betrieben wurden, erneut mit dem Zusammengeschalteten Energiesystem der Ukraine zu verbinden. Am Vorabend wurden die eigenen Bedarfe des AKW über die wiederhergestellte Leitung versorgt; der aktuelle Stromverbrauch des Kraftwerks liegt laut Unternehmensangaben bei 11 MW.
Reparaturbedingungen: lokales Waffenstillstandsabkommen
Bei „Enerhoatom“ betonte man, dass die Wiederherstellung der externen Stromversorgung durch die gemeinsame Arbeit ukrainischer Energieversorger und ein abgestimmtes lokales Waffenstillstandsabkommen möglich wurde, das die nötigen Voraussetzungen für die Reparaturarbeiten an der beschädigten Leitung schuf. Dabei führten die ukrainischen Fachkräfte ihre Aufgaben unter erheblicher Bedrohung durch unvorhersehbare Handlungen der russischen Besatzer aus und waren dabei ständigen Sicherheitsrisiken für das Personal ausgesetzt.
Risiken für die Kern- und Strahlensicherheit
Laut Angaben von „Enerhoatom“ blieb das AKW Saporischschja seit dem 20. August ohne externe Stromversorgung, und während dieser gesamten Zeit wurden die kritischen Systeme des Kraftwerks über Dieselgeneratoren mit Strom versorgt. Das Unternehmen wies darauf hin, dass ein solcher Betriebsmodus zusätzliche Risiken für die Kern- und Strahlensicherheit des größten Atomkraftwerks Europas mit sich brachte. Zuvor war bereits darauf hingewiesen worden, dass der langfristige Einsatz von Reserveanlagen das Risiko eines Ausfalls durch gemeinsame Ursache erhöht – ein Szenario, der zu den gefährlichsten Bedrohungen der Kernsicherheit zählt.
Widersprüchliche Angaben
Die Chronologie der Stromausfälle wird in verschiedenen Quellen unterschiedlich dargestellt. In der Mitteilung von „Enerhoatom“ wird die Wiederherstellung als Abschluss einer einheitlichen Phase ohne externe Versorgung beschrieben, die am 20. August begonnen hatte. Gleichzeitig verlor das AKW Saporischschja laut Daten der IAEA innerhalb einer Woche zum dritten Mal die externe Stromversorgung, während mehrere ukrainische Medien zwei Abschaltungen der externen Versorgung innerhalb eines einzigen Tages feststellten. So betont die eine Seite die erfolgreiche Wiederherstellung nach einer längeren Unterbrechung, während die internationale Überwachung und die ukrainischen Medien die chronische Instabilität und die Mehrfachausfälle hervorheben – ein Hinweis auf den äußerst vulnerablen Zustand der Stromversorgung des Kraftwerks.
Position von „Enerhoatom“: Sicherheit erst nach der Deokkupation
Bei „Enerhoatom“ heißt es, dass eine vollständige Gewährleistung der Kern- und Strahlensicherheit des AKW Saporischschja erst nach seiner Deokkupation, der Rückgabe unter ukrainische Kontrolle und der Übergabe an den einzigen legitimen Betreiber – „Enerhoatom“ – möglich sein wird. Laut Angaben der ukrainischen Seite nutzen die russischen Streitkräfte nach der Besetzung des Kraftwerks dessen Gelände für militärische Zwecke: Auf dem Objekt werden Waffen und Ausrüstung untergebracht, außerdem werden Angriffsdrohnen gestartet, was nach Einschätzung Kiews zusätzliche Risiken für die Kernsicherheit schafft.