Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) berichtete in einem neuen Bericht über die Errichtung eines neuen Uran-Anreicherungsgebäudes auf dem wichtigsten Atomkomplex Nordkoreas – Yongbyon. Nach vorläufigen Schätzungen der Agentur-Spezialisten kann das neue zweistöckige Gebäude bis zu 28 Gaszentrifugen-Kaskaden beherbergen. Wie RBC-Ukraine berichtet, wurde die Entdeckung aus einem IAEA-Dokument bekannt, das auf Satellitenbilder und offene Quellenmaterialien stützt.
Was die IAEA-Ermittlung zeigte
Die Spezialisten der Agentur identifizierten das neue zweistöckige Gebäude in Yongbyon als zweite Uran-Anreicherungsanlage. Dafür verglichen sie Satellitenbilder, die in verschiedenen Bauphasen aufgenommen wurden, mit Aufnahmen des Juni-Besuchs des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un auf dem Komplex. Auf den vom staatlichen Fernsehen veröffentlichten Fotos ist zu sehen, dass Gaszentrifugen-Kaskaden auf beiden Etagen des Hauptgebäudes installiert sind. Nach Schätzung der IAEA kann der Raum bis zu 28 solcher Kaskaden beherbergen.
Reaktion des IAEA-Generaldirektors
Mit einer offiziellen Erklärung zu den Ergebnissen des Berichts trat der Generaldirektor der Agentur, Rafael Grossi, hervor. „Der aktuelle Betrieb der Anreicherungsanlagen in Kangson und Yongbyon sowie die Meldung über die weitere Ausweitung der Produktion von waffenfähigem atomarem Material durch Nordkorea lösen ernste Besorgnis hervor“, betonte er. Damit registriert die Agentur nicht einmaliges Bauwerk, sondern eine nachhaltige Tendenz zur Ausweitung der Atominfrastruktur Pjöngjangs an mehreren Orten gleichzeitig.
Methodik und Beobachtungsgrenzen
Wichtig ist zu beachten, dass IAEA-Inspektoren seit 2009 nicht auf dem Territorium Nordkoreas arbeiten. Infolgedessen verfolgt die Agentur die atomare Tätigkeit Nordkoreas ausschließlich mit Fernmethoden: über Satellitenbilder und offene Quellenmaterialien, einschließlich von staatlichen nordkoreanischen Medien veröffentlichten Fotos. Das bedeutet, dass alle Schlussfolgerungen des Berichts auf indirekten und nicht auf direkten Vor-Ort-Prüfungen beruhen.
Widersprüchliche Daten
Im Bericht und in den Erklärungen der Seiten gibt es eine wesentliche Einschränkung, die zu berücksichtigen ist. Die Zahl „bis zu 28 Kaskaden“ ist eine Schätzung der Raummöglichkeit und keine bestätigte Anzahl tatsächlich arbeitender Anlagen. Außerdem urteilt die Agentur über den „aktuellen Betrieb“ der Anreicherungsanlagen in Kangson und Yongbyon anhand indirekter Anzeichen – Satellitendaten und Besuchs-Aufnahmen –, da seit 2009 keine IAEA-Inspektoren vor Ort sind. Somit sind die tatsächliche Auslastung und der Betriebsmodus der Zentrifugen nicht unmittelbar verifiziert, und die Daten haben vorläufigen Charakter und können mit dem Eintreffen neuer Bilder präzisiert werden.
Kontext: Ausweitung des Atom- und Militärprogramms
Die Entwicklung des Atomprogramms Nordkoreas verstößt nach Einschätzung der IAEA gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Vor dem Hintergrund der Atomnachrichten weitet Pjöngjang auch sein Militärpotenzial aus: Zuvor wurde berichtet, dass Kim Jong-un einen weiteren atomaren Zerstörer in Betrieb nahm, und vor einigen Monaten testete Nordkorea einen neuen Zerstörer, der mit strategischen Gleitflugkörpern bewaffnet ist. Die Gesamtheit dieser Schritte zeigt, dass das Atom- und das Raketen-Marineprogramm Nordkoreas parallel und beschleunigt entwickelt werden.