Die Ära der 'Funklöcher' in der Mobilkommunikation könnte in den nächsten Jahren enden. Das Technologieunternehmen Sceye hat eine Lösung vorgestellt, die das Landschaftsbild der Telekommunikation grundlegend verändern könnte: die Entwicklung stratosphärischer Plattformen, die als fliegende Basisstationen fungieren. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, eine hochwertige 5G-Abdeckung auf riesigen Gebieten zu gewährleisten, wo terrestrische Infrastruktur versagt.
Neue Richtung: Vom Boden in die Stratosphäre
Die traditionelle terrestrische Infrastruktur für Mobilfunknetze hat strenge Einschränkungen hinsichtlich der Reichweite. Der Bau von Sendemasten in unzugänglichen oder abgelegenen Regionen ist oft wirtschaftlich nicht sinnvoll. Der moderne Entwicklungstrend der Branche verschiebt sich in Richtung der Nutzung von Luft- und Raumfahrzeugen zur Datenweiterleitung.
Eine Schlüsselrolle spielen hierbei HAPS-Systeme (High-Altitude Platform Systems). Diese Plattformen sind für den Betrieb in der Stratosphäre in Höhen zwischen 18 und 20 Kilometern konzipiert. Dies ist eine einzigartige Nische: Die Höhe ist fast doppelt so hoch wie die Flugkreuzhöhen von Passagierflugzeugen, aber dennoch deutlich niedriger als die Umlaufbahnen von Satelliten. Genau auf dieser Ebene können die Geräte ein stabiles Verbindungserlebnis für Nutzer drahtloser Netze garantieren.
SE2-Technologie: Autonomie und Präzision
Das Herzstück des Systems von Sceye ist der stratosphärische Luftschiff SE2. Äußerlich ähnelt er einem klassischen Luftschiff, doch seine technische Bestimmung ist grundlegend anders. Die Länge des Geräts beträgt etwa 60 Meter, und der mit Helium gefüllte Rumpf besteht aus einem leichten, lichtreflektierenden Gewebe.
Das Hauptmerkmal des SE2 ist die Fähigkeit, eine feste Position in der Luft über Jahre hinweg zu halten. Dies ist entscheidend für die Gewährleistung einer stabilen Funkabdeckung in einer bestimmten Region. Das Gerät ist mit fortschrittlicher Avionik ausgestattet, die kontinuierlich Luftströmungen überwacht, wodurch das Luftschiff unabhängig von wechselnden Wetterbedingungen und stratosphärischen Winden stationär bleiben kann.
Die energetische Unabhängigkeit der Plattform wird vollständig autonom gewährleistet. Der obere Teil des Rumpfes ist mit einem Array von Solarpanelen bedeckt. Tagsüber speichern sie Energie und laden die Batterien auf, die den Betrieb der Systeme nachts aufrechterhalten.
Tests und Perspektiven: Von der Waldbrandüberwachung bis zu SoftBank
Die Funktionalität der Luftschiffe geht weit über die reine Datenübertragung hinaus. In der Stratosphäre positioniert, können die Plattformen Beobachtungsdaten zu Naturkatastrophen – wie Stürmen oder großflächigen Bränden – in Echtzeit sammeln und übertragen.
Die 5G-Signalübertragung erfolgt über eine spezielle Antenne, die am unteren Teil des Geräts montiert ist. Im Rahmen von Tests arbeitet Sceye mit dem großen Provider SoftBank zusammen, um Netzwerkdaten an terrestrische Endgeräte zu übertragen.
Der Erfolg des Konzepts wurde bereits in der Praxis bestätigt. Laut offiziellen Angaben konnte das Luftschiff SE2 während eines Ausdauer-Tests eine feste Position in der Luft über 88 Stunden halten. Derzeit bereitet sich das Unternehmen auf großangelegte präkommerzielle Testflüge und die weitere Integration seiner Geräte in die Telekommunikationsnetze seiner Partner vor.