Die Lage an der Ostfront bleibt angespannt und unvorhersehbar. Obwohl die russische Armee derzeit über keine ausreichenden Kräfte und Ressourcen verfügt, um die gesamte ukrainische Verteidigungslinie in der Oblast Donezk schnell operativ zu durchbrechen, warnen Experten vor dem Risiko des Verlusts einer weiteren Großstadt. Es geht um Konstantyniwka, die nach Ansicht militärischer Analysten in den kommenden Monaten vom Gegner eingenommen werden könnte.
Gefahr für Slowjansk und Kramatorsk
Vertraute Quellen des Verlags RBC-Ukraine in militärpolitischen Kreisen zeichnen ein ungünstiges Szenario: Bis zum Ende des Winters könnten russische Truppen Slowjansk und Kramatorsk sehr nahe kommen. Experten betonen jedoch, dass Russland für die Erreichung dieses Ziels nicht einfach nur die Frontlinie langsam verschieben darf.
Um diese Schlüsselknotenpunkte anzugreifen, müsste der Gegner vorbereitete Verteidigungslinien nacheinander überwinden, die Flanken erweitern und die Logistik ständig nachschieben, während er unter dem Beschuss ukrainischer Drohnen bleibt. Dies macht die Aufgabe extrem schwierig und ressourcenintensiv.
Ziele des Kremls und Zeitrahmen
Gegenwärtig verlangt Wladimir Putin vom Kommando, die Truppen bis Ende 2026 an die administrativen Grenzen der Oblast Donezk zu führen. Dennoch halten Analysten ein solches Szenario für unwahrscheinlich. Darüber hinaus bleibt selbst die Erreichung dieses Ziels bis 2027 fraglich.
Ein entscheidender Faktor, der die weitere Entwicklung der Ereignisse bestimmen wird, ist die Entscheidung des russischen Führers über eine neue Mobilmachung und deren Umfang.
Szenario im Norden: Pufferzone
Neben den Aktionen im Südosten neigen Quellen dazu, dass Russland mit begrenzten Kräften eine Operation im Norden durchführen könnte, um die Grenze in der Oblast Tschernihiw oder sogar in der Oblast Kiew zu durchbrechen. Als Sprungbrett für einen solchen Angriff wird die Oblast Brjansk in Betracht gezogen, wobei die Beteiligung Weißrusslands derzeit keine zwingende Voraussetzung darstellt.
Selbst bei einem erfolgreichen Angriff im Norden ist ein tiefer Durchbruch bis nach Kiew unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass der Kreml versuchen wird, eine sogenannte „Pufferzone“ entlang der Grenze zu schaffen. Experten sind jedoch der Ansicht, dass dies nur ein Instrument eines umfassenderen Plans ist – die ukrainische Verteidigung zu dehnen und Kiew zu zwingen, Kräfte von den Abschnitten abzuziehen, an denen Russland das Hauptergebnis erzielen will, nämlich in der Oblast Donezk.