Der globale Mangel an Arbeitsspeicher ist zu einem vollwertigen „Krieg der Automatisierungsskripte“ in Online-Shops eskaliert. Laut Daten der auf Cybersicherheit spezialisierten Forschungsunternehmen DataDome erreichte der Anteil des schädlichen Bot-Traffics von Wiederverkäufern auf den Produktseiten für DDR5-Module bei einem großen Händler 91 %. Das bedeutet, dass auf jeden echten Käufer etwa zehn Anfragen von Programmen entfallen, die ununterbrochen die Verfügbarkeit und Preise scannen. Zum Vergleich: Noch im Frühjahr dieses Jahres lag dieses Verhältnis bei 6 zu 1, der Druck des automatisierten Traffics hat sich also innerhalb weniger Monate nahezu verdoppelt.

Skript-Krieg: 91 % des Traffics sind Bots

Die Algorithmen der Wiederverkäufer arbeiten mit extremer Aggressivität: Sie senden Anfragen alle 6,5 Sekunden und umgehen die Caching-Mechanismen der Shops, um im Moment des geringsten Wareneingangs auf Lager die Module sofort in den Warenkorb zu überführen. Infolgedessen verlieren echte Käufer systematisch das Rennen um den begrenzten Bestand: Wenn ein Mensch die Produktseite erreicht, wurden die Module bereits von einem Skript gekauft. Tatsächlich ist die Einzelhandelsvitrine zu einer Arena geworden, in der gegen den Menschen nicht ein anderer Mensch, sondern ein endloser Strom maschineller Anfragen spielt.

Ökonomie des Mangels: von 72 auf 392 Dollar

Diese intensive Bot-Flut steht in direktem Zusammenhang mit dem explosionsartigen Anstieg der DRAM-Preise. Ein DDR5-6000-Speicherkit mit 32 GB, der im vergangenen Jahr etwa 72 Dollar kostete, ist im Durchschnitt auf 392 Dollar gestiegen. Top-Sets mit 128 GB sind laut Schätzungen etwa zehnfach teurer geworden – einzelne Publikationen nennen einen Preis von rund 3.400 Dollar für ein solches Set, das zudem nicht immer zu bekommen ist. Die Kluft zwischen dem „vorkrisen“- und dem aktuellen Preis macht DDR5-Module zu einem Objekt, um das nicht nur Endnutzer, sondern auch Wiederverkäufer buhlen, die auf eine weitere Preissteigerung hoffen.

Ursachen: KI-Boom und Produktionsverlagerung

Die Wurzel des Problems liegt in der Umverteilung der Produktionskapazitäten: Der Boom der künstlichen Intelligenz und der Rechenzentrumsaufgaben hat die Nachfrage auf Hochgeschwindigkeits-Speicher umgelenkt, was in Kombination mit dem begrenzten Angebot an Consumer-Modulen einen strukturellen Mangel geschaffen hat. Gerade die Kombination aus hoher Nachfrage seitens der KI-Infrastruktur und der Fragilität der DRAM-Lieferketten hat DDR5 zum „heißesten“ Produkt auf dem Markt für PC-Komponenten gemacht, um den sich der Bot-Wettbewerb entfaltet.

Widersprüchliche Daten

Gleichzeitig sind die Nuancen in den Zahlen zu beachten, die verschiedene Medien angeben. Der Wert von 91 % Bot-Traffic, laut DataDome, wurde bei einem bestimmten großen Händler erfasst und ist keine durchschnittliche Marktstatistik – auf anderen Plattformen kann der Anteil des automatisierten Traffics abweichen. Außerdem wirken die Preisangaben in den Publikationen unterschiedlich: 392 Dollar für 32 GB und 3.400 Dollar für 128 GB sind kein Widerspruch für ein und dasselbe Produkt, sondern verschiedene Konfigurationen, die bei oberflächlicher Lektüre jedoch den Eindruck eines Widerspruchs erwecken können. Schließlich sind die Stabilisierungszeiträume (nicht vor 2027) eine Experteneinschätzung und kein bestätigter Fakt und können sich je nach Tempo der Produktionsumstellung verschieben.

Wann ist mit Stabilisierung zu rechnen

Experten betonen den entscheidenden Unterschied der aktuellen Krise zu früheren „GPU-Zyklen“: Von einer Stabilisierung der Lieferungen von Consumer-DDR5-Speicher ist nicht vor 2027 auszugehen. Das bedeutet, dass der Bot-Druck auf die Einzelhandelsvitrinen voraussichtlich noch mindestens ein Jahr anhalten und die Preise volatil bleiben werden. Für gewöhnliche Käufer ist dies ein praktisches Signal: Auf einen „glücklichen“ Moment im Online-Shop zu hoffen, wird immer schwieriger, und der Wettbewerb um Module hat sich faktisch in die Ebene der Geschwindigkeit und Automatisierung verlagert, in der ein Mensch ohne Skripte per Definition verliert.