Das Unternehmen LilyGo hat das K230 CoreSet vorgestellt – eine fertige, „in ein Gehäuse verpackte“ Version seiner Entwicklungsplattform, die äußerlich einem kompakten Smartphone ähnelt, in Wirklichkeit aber eine tragbare Ingenieursstation ist. Das Gerät richtet sich an Entwickler, Ingenieure und Elektronik-Enthusiasten, die eine mobile Testumgebung für Experimente mit Embedded-Systemen und Computer Vision benötigen, und nicht an ein Consumer-Handy. Die Basisausstattung wird auf etwa 150 US-Dollar geschätzt, als optionales Zubehör bietet der Hersteller eine kompakte Tastatur an.
Hardware: RISC-V-Kern und ESP32-Coprozessor
Das Herzstück des K230 CoreSet bildet der Kendryte-K230-Prozessor mit RISC-V-Architektur und Hardware-Beschleunigung für 3D-Grafik – das ist der entscheidende Unterschied des Geräts zu typischen ARM-Lösungen und ein direkter Zugang zur Ökosystem der offenen Instruktionssatzes. Den Hauptchip ergänzt der Mikrocontroller ESP32-S3-R8, der für die Anbindung von Sensoren und externer Peripherie zuständig ist. Diese zweistufige Architektur ermöglicht es, aufwendige Berechnungen und Grafikverarbeitung auf dem K230 und die leichte Steuerung der Schnittstellen auf dem ESP32 zu trennen, was beim Prototyping komplexer Geräte von Vorteil ist.
Display, Kamera und reichhaltiger Anschlusssatz
Das Gerät ist mit einem 4,1-Zoll-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 568 × 1232 Pixeln ausgestattet, was in dieser kompakten Bauform ein dichtes und kontrastreiches Bild ergibt. Im Gehäuse ist eine 2-Megapixel-Kamera integriert, über die MIPI-CSI-Schnittstelle lassen sich zusätzliche Kameramodule anschließen – beispielsweise für Experimente mit Computer Vision und maschinellem Lernen. Der Port-Ausstattung für seine Klasse ist ungewöhnlich vollständig: zwei USB-Ports, HDMI, Ethernet, ein 3,5-mm-Klinkenanschluss und ein microSD-Speicherkartenslot, was den Bedarf an externen Adaptern bei der Arbeit an der Testumgebung eliminiert.
Kommunikation: Wi-Fi und LoRa statt LTE und 5G
Wichtig ist das Positionierung des Geräts zu verstehen: Eine 4G- und 5G-Unterstützung gibt es hier nicht, und das ist eine bewusste Entscheidung und keine Einschränkung. Die drahtlose Kommunikation beschränkt sich auf Wi-Fi und das LoRa-Protokoll, das für die Übertragung kleiner Datenmengen über große Entfernungen ausgelegt ist – nach Schätzungen über Dutzende von Kilometern. Damit eignet sich das K230 CoreSet für Anwendungsszenarien, in denen Reichweite und Energieeffizienz der Telemetrie wichtiger sind als die Bandbreite des Mobilfunks.
Preis, Zielgruppe und Marktposition
Mit einem Einstiegspreis von rund 150 US-Dollar und einer optionalen Tastatur besetzt das K230 CoreSet die Nische zwischen einem gewöhnlichen SBC und einem vollwertigen Industriesteuergerät: Es ist ein „fertig einsetzbares“ Gehäuse, das Zeit bei der Zusammenstellung spart und sofort mit der Entwicklung begonnen werden kann. Für Ingenieure und Hobbyisten ist es eine Möglichkeit, eine Idee schnell auf RISC-V-Hardware mit Grafikbeschleunigung und flexibler Peripherie zu testen, ohne eine eigene Platine zu entwerfen.