Ein beispielloser Vorfall hat die Geschichte der weltweiten Automobilindustrie erschüttert. Die Arbeiter des Hyundai Motor-Werks in Südkorea haben einen Teilstreik ausgerufen und sind damit die ersten in der Branche, die die Produktion wegen der Bedrohung durch humanoide Roboter eingestellt haben. Auslöser des Konflikts war die Vorstellung des Roboters Atlas, die eine scharfe Reaktion des Gewerkschaftsbundes hervorrief und die Automatisierungspläne des koreanischen Riesen gefährdete.

Der Roboter Atlas und die Reaktion der Gewerkschaft

Im Januar stellte Hyundai Motor der Öffentlichkeit den Roboter Atlas vor. Die 188 cm große Maschine, die laufen und ihre Gelenke um 360 Grad drehen kann, beeindruckte die Zuschauer. Für zehntausende Mitarbeiter des Automobilwerks war dies jedoch ein Alarmzeichen. Die Gewerkschaft reagierte sofort und hart: Ohne die vorherige Zustimmung der Arbeiter wird der Roboter niemals auf die Produktionslinie kommen.

Diese Woche eskalierte die Bedrohung zu einem konkreten Akt. Die Arbeiter verweigerten den Dienst während einer vierstündigen Schicht. Aufgrund dieses teilweisen Produktionsausfalls riskiert Hyundai, 5000 Fahrzeuge nicht ausliefern zu können, und die Verluste durch den Rückgang der Verkäufe könnten 134 Millionen US-Dollar betragen. Dies ist der erste Fall, in dem eine Produktionsstilllegung direkt mit dem Aufkommen humanoider Roboter in Verbindung steht.

Politische Kontext und globale Bedeutung

Südkorea ist nicht zufällig zum Epizentrum dieses Konflikts geworden. Der Indikator für die Einführung von Industrierobotern pro Kopf liegt im Land mehr als sechsmal über dem Weltdurchschnitt. Präsident Lee Jae Myung hat die Robotisierung offen unterstützt und erklärt: „Man kann dem riesigen Wagen, der vorwärts rollt, nicht entkommen“.

Diese Haltung der Behörden hat die Aktivität der Hyundai-Gewerkschaft, die 40.000 Arbeitnehmer vertritt, nur noch angeheizt. Weltweite Automobilhersteller verfolgen derzeit den Verlauf der Verhandlungen zwischen dem Unternehmensmanagement und der Gewerkschaft. Das Ergebnis des Dialogs in Korea wird zum Indikator für Tesla, BMW, General Motors, Mitsubishi, Xiaomi und andere Giganten, die ebenfalls Robotisierungsprogramme haben.

Entstehungsgeschichte und Einführungspläne

Der Roboter Atlas wurde von der Firma Boston Dynamics entwickelt. Der erste hydraulische Prototyp erschien vor zehn Jahren. 2021 erwarb Hyundai 80 % der Anteile des Entwicklers, um den Roboter für industrielle Aufgaben anzupassen. Im Juni kaufte das Unternehmen den verbleibenden Anteil von SoftBank auf und sicherte sich damit vollständig die Rechte am Projekt.

Obwohl die genauen Zeitpläne für die Einführung von Atlas in den südkoreanischen Werken nicht genannt werden, ist bekannt, dass die Roboter 2028 auf dem neuen Metaplant-Werk im US-Bundesstaat Georgia in Betrieb gehen werden. Bemerkenswert ist, dass es dort keine Gewerkschaft gibt. Die Kosten für einen Roboter werden auf 130.000 US-Dollar geschätzt, aber die Kosteneinsparungen werden es ermöglichen, die Investition innerhalb von zwei Jahren zu amortisieren.

Beispiellose Forderungen der Arbeiter

Als Reaktion auf die Bedrohung durch die Automatisierung hat die Gewerkschaft eine Reihe von Forderungen aufgestellt, die darauf abzielen, ihre Interessen im Zeitalter der KI zu schützen:

  • Umstellung von der Stundenlohnzahlung auf ein festes Gehalt, um eine Verkürzung der Arbeitszeit zu verhindern.
  • Erhöhung des Rentenalters um fünf Jahre – auf 65 Jahre.
  • Beschäftigungsgarantien im Zusammenhang mit der Einführung künstlicher Intelligenz.
  • Erhöhung der Bonuszahlungen, motiviert durch das Wachstum der Unternehmensgewinne dank des KI-Booms.

Die Verhandlungen in der vergangenen Woche scheiterten, was zum Streik führte. Das Management von Hyundai erklärte sich bereit, konstruktiv zusammenzuarbeiten und eine Vereinbarung zu erarbeiten, die die langfristigen Interessen beider Seiten unterstützt. Experten stellen fest, dass es in Frankreich bereits einen positiven Präzedenzfall gibt: Das Management von Renault hat sich mit den Gewerkschaften auf eine obligatorische Umschulung der von der Robotisierung betroffenen Mitarbeiter geeinigt. Jetzt wartet die ganze Welt darauf, ob Hyundai einen ähnlichen Kompromiss finden kann.