Viele sind immer noch der Meinung, dass die traditionelle ukrainische Tracht und die damit verbundenen Bräuche bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwunden sind. Doch Archivfotos aus den 1950er bis 1970er Jahren widerlegen dieses Klischee. Auf ihnen sind keine Museumsstücke oder inszenierten Szenen von Folklorefestivals zu sehen, sondern echte Hochzeiten in Dörfern des mittleren Dnepr-Gebiets. Und genau diese Bilder belegen, dass die Volkskultur auch unter dem Druck der sowjetischen Ideologie weiterlebte.
Was ist auf den Fotos zu sehen?
Auf den Bildern sind Frauen in traditionellen ukrainischen Trachten zu sehen: Wyszewanky (bestickte Blusen), bunte Röcke und mehrreihige Perlenketten. Besonders bemerkenswert sind die Hauben, die über dem Kopf getragen werden, und die Kopftücher, die nach altem Brauch gebunden sind. Dies ist keine Theatertracht, sondern Alltagskleidung, die bei wichtigen Lebensereignissen getragen wurde – vor allem bei Hochzeiten.
«Für die ältere Generation war dies keine Theatertracht und kein Folklore, sondern eine lebendige Fortsetzung der Familientradition, die sie von ihren Müttern und Großmüttern geerbt hatten», heißt es in einer Mitteilung des Telegram-Kanals «Все проУкраїнське».
Zwei Arten von Hauben: Poltawa und Tschernihiw
Auf den Fotos sind zwei regionale Varianten der Haube zu unterscheiden – des Kopfschmucks verheirateter Frauen:
- Die poltawer Haube «Korablik» – nach oben verlängert, mit Stickereien verziert und erinnert an die Form eines Bootes.
- Die tscherkassische Haube – rund, dicht mit bunten Blumen bedeckt, oft mit auffälligen Dekorelementen.
Beide Varianten umschließen den Kopf eng und werden unter dem Kopftuch getragen – gemäß altem Brauch. Form und Verzierung hingen von der Region ab, aber die Essenz blieb unverändert: Die Haube war ein Symbol der Ehe und Teil des kulturellen Codes.
Warum ist das wichtig?
Die sowjetische Führung behauptete jahrzehntelang, dass die Volkskultur ein «Überbleibsel der Vergangenheit» sei, das vergessen werden müsse. Doch diese Fotos belegen das Gegenteil: Trotz Verbote, Druck und Propaganda trugen Frauen weiterhin Hauben bei den Hochzeiten ihrer Kinder. Die Tradition verschwand nicht – sie lebte einfach dort weiter, wo man sie nicht suchte: in den Dörfern, bei Festen und im Alltag gewöhnlicher Menschen.
«Diese Fotos sind ein weiterer Beweis dafür, dass die echte ukrainische Ordnung ein untrennbarer Bestandteil des Lebens unserer Vorfahren war – nicht nur vor hundert Jahren, sondern auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts», wird in der Mitteilung betont.
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