Am Wochenende führten die Sondergesandten des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, eine Reihe von Kontakten in Moskau und Kiew durch, doch gelang es laut informierten Quellen, keinen wesentlichen Durchbruch bei der Beilegung des Konflikts zu erzielen. In der russischen Hauptstadt verhandelten die amerikanischen Gesandten mit Wladimir Putin, bevor sie sich nach Ukraine begaben, um Präsident Wolodymyr Selenskyj zu treffen. Laut Regierungsvertretern zeigt der russische Führer keine Bereitschaft, seine Position zu lockern, was nach Einschätzung von Bloomberg faktisch der Vorbereitung Washingtons und Europas auf eine Fortsetzung des Konflikts im Jahr 2027 gleichkommt.
Der Plan Moskaus für die nächsten sechs Monate
Ein Bloomberg-Quelle berichtete, der Plan Russlands für die kommenden sechs Monate könne eine Verschärfung der Angriffe auf die Energie- und Wärmeversorgungsinfrastruktur der Ukraine vorsehen. Ziel dieser Strategie sei es laut ihm, das Leben der Zivilbevölkerung so weit wie möglich zu erschweren. Eine andere Quelle des Blatts ist der Ansicht, dass ernsthafte Verhandlungen über das Ende des Krieges frühestens bis zum nächsten Jahr stattfinden dürften, während Putin darauf hoffe, seine Positionen bis zum nächsten Frühling zu verbessern und die russische Wirtschaft trotz wachsender Probleme am Leben zu halten.
Hybride Angriffe und Druck auf Europa
Parallel zum militärischen Druck könne der Kreml laut derselben Quelle hybride Angriffe und politische Einmischung in europäischen Ländern verstärken und versuche, die Unterstützung für die Ukraine innerhalb der westlichen Gesellschaften zu schwächen. Dieses Szenario sehe eine Kombination aus kinetischen Schlägen gegen die Infrastruktur mit informationellem und politischem Druck auf die Verbündeten Kiews vor, was von Europa eine umfassende und nicht nur militärische Reaktion erfordere.
Vorbereitung des Westens auf die Fortsetzung des Krieges
In den USA und Europa wird man bereits auf mögliche verstärkte russische Angriffe vorbereitet. Laut Quellen sollten für die Verbündeten der Ukraine die Lieferungen von Abfangraketen für die Luftverteidigungssysteme Priorität haben, um ukrainische Städte und kritische Infrastruktur zu schützen. Faktisch bedeutet dies einen Übergang zu einem langfristigen Unterstützungsmodell, das auf einen jahrelangen Konflikt ausgelegt ist, und nicht auf eine schnelle diplomatische Lösung.
Widersprüchliche Angaben
Hier weichen die Versionen der Seiten erheblich voneinander ab. Auf der einen Seite behaupten Bloomberg-Quellen, es habe keinen Durchbruch gegeben, Putin beabsichtige, den Krieg fortzusetzen, und ernsthafte Verhandlungen würden mindestens bis zum nächsten Jahr aufgeschoben. Auf der anderen Seite erklärte die amerikanische Seite nach den Kontakten in Kiew und Moskau öffentlich von „wesentlichen Fortschritten“ und der Abstimmung eines Zeitplans für zusätzliche dreiseitige Verhandlungen. So widerspricht die offizielle Rhetorik Washingtons über Fortschritte und den Terminplan für Treffen den Einschätzungen seiner eigenen Beamten über die Bereitschaft Moskaus zu einem jahrelangen Konflikt und der Verschärfung der Angriffe.
Perspektiven: September und die UN-Generalversammlung
Trotz der widersprüchlichen Signale ist die diplomatische Spur nicht zum Stillstand gekommen. Wolodymyr Selenskyj schlug die UN-Generalversammlung in New York als mögliche Plattform für neue Verhandlungen mit Beteiligung der USA vor. Zudem erklärten das ukrainische Außenministerium, dass ein persönliches Treffen zwischen Selenskyj und Donald Trump vorläufig auf September abgestimmt sei. Diese Schritte deuten darauf hin, dass die Seiten auch ohne Durchbruch die Kanäle für weitere Kontakte aufrechterhalten, während sich der Westen auf eine mögliche Verlängerung des Konflikts vorbereitet.