Am 6. September 2026 sind die Sonderbeauftragten des US-Präsidenten Steve Witkoff und Jared Kushner erstmals in die Ukraine eingereist. Der Besuch war der abschließende Teil ihrer Reise, die am Vortag in Moskau begonnen hatte, wo sie am 5. September dreistündige Verhandlungen mit Wladimir Putin führten. Laut dem US-Präsidenten bringen die amerikanischen Gesandten ein Angebot mit, das auf eine Beendigung des Krieges abzielt.

Erster Besuch der Trump-Gesandten in Kiew

Die Ankunft Witkoffs und Kushners in Kiew ist der erste Fall, in dem genau diese beiden Vertreter des Weißen Hauses die ukrainische Hauptstadt besuchten. Zuvor war ein anderer Sonderbeauftragter Trumps für die Ukraine, Keith Kellogg, in die Ukraine gereist. Vor dem Besuch hielt Wladimir Selenskyj eine Besprechung mit den ukrainischen Verhandlungsführern ab und erklärte, dass Kiew auf das Treffen vorbereitet sei und eigene Vorschläge zur Friedensherstellung vorbereitet habe. Medienberichten zufolge startete das Flugzeug der US-Delegation nach den Verhandlungen in Moskau um 00:29 Uhr aus der russischen Hauptstadt und landete um 02:31 Uhr auf dem Flughafen Rzeszów-Jasionka in der Woiwodschaft Karpatenvorland in Polen.

Dreistündige Verhandlungen in Moskau und die Position des Kremls

Das Treffen am 5. September dauerte etwa drei Stunden. Der Assistent des russischen Präsidenten Juri Uschakow charakterisierte es als „inhaltreich, konstruktiv, maximal offen und vertrauensvoll“. Den Worten zufolge hätten die Vertreter Trumps „versprochen, die vom russischen Präsidenten erhaltenen Beobachtungen und Einschätzungen“ bei den Kontakten in Kiew zur Erreichung einer „festen Friedenslösung“ zu nutzen. Reuters bestätigte unter Berufung auf einen Beamten des Weißen Hauses, dass die Verhandlungen „inhaltreich“ gewesen seien, und die nächsten Schritte würden in den kommenden Wochen bekanntgegeben. Der amerikanischen Delegation gehörten Medienberichten zufolge Vertreter des Nationalen Sicherheitsrats, des Außenministeriums und des Finanzministeriums an. Witkoff und Kushner selbst gaben keine öffentlichen Kommentare zum Ergebnis des Besuchs ab.

Stille-Regime: Wer und was wurde versprochen

Am Freitag erklärte Selenskyj, dass die Ukraine während des Besuchs der amerikanischen Verhandlungsführer keine Schläge gegen Moskau führen werde und ein entsprechendes Vorgehen Russlands gegenüber der Ukraine erwarte. Kiew schlug zudem ein Waffenstillstandsregime an der Front vor, das jedoch seinen Worten zufolge keine Antwort erhielt. Anschließend teilte der Kreml mit, dass Putin den Befehl gegeben habe, innerhalb von drei Tagen – von Mitternacht am 6. September bis zum 9. September – keine Schläge gegen Kiew zu führen.

Widersprüchliche Angaben

Die Darstellungen der beiden Seiten über das Ergebnis der moskauer Verhandlungen unterscheiden sich in den Schwerpunkten. Der Kreml erklärte über Uschakow, die amerikanischen Gesandten hätten „versprochen“, in Kiew die Positionen und Einschätzungen Putins zu übermitteln; das Weiße Haus beschränkte sich in Person eines Beamten auf die Bewertung „inhaltreicher“ Verhandlungen und bestätigte keine Verpflichtung, während Witkoff und Kushner öffentlich schwiegen. Außerdem berichteten vor der tatsächlichen Ankunft in Kiew einige Medien, der Besuch stehe „auf wackeligen Beinen“ und sorgte für Sorgen, obwohl die Reise letztlich stattfand. Schließlich hat sich das Narrativ, dass die Anwesenheit der amerikanischen Verhandlungsführer „wie eine Luftabwehr wirkt“, im August nicht bestätigt: Während des Besuchs Kelloggs gab es dennoch Schläge gegen Kiew, was Kellogg selbst mit seinem neuen Status als Privatperson nach seinem Ausscheiden aus der Regierung verband.

Kontext: Von Kellogg zu Witkoff und Kushner

Zuvor hatten ukrainische Beobachter festgestellt, dass während der Besuche Kelloggs die feindlichen Schläge gegen Kiew aufhörten, und im Volk wurde scherzhaft gesagt, seine Anwesenheit wirke „wie eine Luftabwehr“. Im August hatte dieser Effekt jedoch nicht gegriffen. Der Wechsel der Verhandlungsführer – der Übergang von Kellogg zu Witkoff und Kushner – wird als Signal für eine Erhöhung des Niveaus der amerikanischen Spur zur ukrainischen Regelung und dafür verstanden, dass das Weiße Haus bereit ist, auf den Tisch in Kiew ein konkretes „Angebot zur Beendigung des Krieges“ zu legen, über das Trump gesprochen hatte.

Was kommt als Nächstes

Laut Selenskyj war der Besuch der amerikanischen Verhandlungsführer in Kiew auf Sonntag angesetzt, davor in Moskau; beide Etappen fanden statt. Nun wird entscheidend sein, welche konkreten Vorschläge Kiew auf den Tisch legen wird und ob das Weiße Haus in den kommenden Wochen die „nächsten Schritte“ bestätigt, über die sein Beamter gesprochen hatte. Das vom Kreml bis zum 9. September erklärte Stille-Regime schafft ein zeitweiliges Fenster für Verhandlungen, doch seine Einhaltung durch beide Seiten bleibt der wichtigste Indikator für die Bereitschaft zu einer Regelung.