Das ukrainische Verteidigungsministerium hat das unter Mobilisierten weit verbreitete Vorurteil offiziell widerlegt, wonach das unbefugte Verlassen der Einheit (Desertion) während der Ausbildungsphase, vor dem Ablegen des Eides, keine rechtlichen Folgen habe. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Veröffentlichung der Pressestelle des Verteidigungsministeriums auf Facebook. Die Behörde betonte, dass die These „vor dem Eid kann keine Desertion vorliegen“ rechtlich falsch ist und einem Menschen die Freiheit kosten kann, da der Status eines Soldaten früher entsteht, als viele denken.
Wann beginnt nach dem Gesetz der Militärdienst
Das zentrale Argument des Verteidigungsministeriums stützt sich auf die Definition des Beginns des Militärdienstes nach geltendem Recht. Das Ministerium wies darauf hin, dass der entscheidende Faktor nicht das tatsächliche Aussprechen des Eidtextes ist, sondern der Moment der Versetzung zur Dienstleistung. Daraus folgt der direkte Schluss, der in der Erläuterung der Behörde festgehalten ist: Ein Mobilisierter, der in ein Ausbildungszentrum (also in eine Militäreinheit zur Kampfvorbereitung) versetzt wurde, ist bereits vor dem Ablegen des Eides Soldat. Somit fallen die Phase der Ausbildung und der Kampfvorbereitung vollständig unter die Bestimmungen, die den Militärdienst und die Verantwortung für dessen Verletzung regeln.
Widersprüchliche Angaben
Hier stoßen zwei Versionen direkt aufeinander. Einerseits geht ein Teil der Mobilisierten und ihr Umfeld von einer alltäglichen, aber falschen Vorstellung aus: Solange eine Person den Eid nicht ausgesprochen hat, ist sie „noch kein Soldat“, und folglich kann sie die Übungen „ohne Konsequenzen“ verlassen. Andererseits lautet die offizielle rechtliche Position des Verteidigungsministeriums, dass der nicht abgelegte Eid allein nicht von der Verantwortung befreit, und auf diese Person finden die Artikel 407 und 408 des Strafgesetzbuchs der Ukraine Anwendung. Die Behörde bezeichnet die alltägliche Überzeugung ausdrücklich als „rechtlich falsch“. Der Unterschied zwischen diesen beiden Standpunkten ist der Kern der Erläuterung: Das Gesetz sieht den Soldaten im Moment der Versetzung zur Dienstleistung, nicht im Moment des Eidrituals.
Vereinfachtes Rückkehrprogramm und seine Frist
Im Abschluss der Erläuterung erinnerte das Verteidigungsministerium an das geltende vereinfachte Rückkehrprogramm in die Armee nach Desertion. Stand heute gilt es bis zum 20. September 2026. Von ihm können Soldaten Gebrauch machen, die das unbefugte Verlassen der Einheit vor dem 12. Juni 2026 begangen haben. Die Wahl der Einheit für die Rückkehr ist elektronisch auf der spezialisierten Plattform szch.army.gov.ua möglich. Für Personen, deren Frist bereits abläuft, ist dies faktisch ein Zeitfenster, um den Status vor Ablauf der Frist zu legalisieren.
Rechtlicher Kontext: Nuancen, auf die Juristen hinweisen
Das Thema Desertion und deren Folgen bleibt eines der am meisten diskutierten im Rechtsbereich. In öffentlichen Materialien analysieren Anwälte gesondert, welche Strafe einem Soldaten für das unbefugte Verlassen der Einheit droht und wo die Grenzen zwischen strafverfolgung und der Möglichkeit, dem Gefängnis zu entgehen, verlaufen. Gesondert diskutiert wird das Verfahren der Rückkehr in die Einheit nach Desertion ohne Eintrag in das Vorleben sowie die Bedingungen, unter denen ein Strafverfahren vollständig eingestellt werden kann. Wichtig ist, dass diese Erläuterungen rein informativen Charakter haben und keine individuelle Rechtsberatung ersetzen: In jedem Einzelfall müssen die Auslegung des Gesetzes und die Wahl der Strategie von einem qualifizierten Juristen vorgenommen werden.
Wir betonen: Dieses Material dient ausschließlich der Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Im Bedarfsfall einer rechtlichen Hilfe oder Gesetzesauslegung wird empfohlen, sich an einen spezialisierten Fachmann zu wenden.