Zwei deutsche Verteidigungsunternehmen – Diehl Defence und POLARIS Raumflugzeuge – haben erfolgreich den ersten Testflug des wiederverwendbaren Strahl-Drohnenflugzeugs Cobra 600 über der Ostsee durchgeführt. Das Gerät wird als Trägersystem für das Luft-Luft-Abwehrsystem IRIS-T entwickelt und soll, so die Absicht der Entwickler, eine relativ günstige Drohne in einen vollwertigen Kampf-Abfangjäger verwandeln. Das Programm, über das erstmals im Juni 2025 berichtet wurde, wurde bis zum Sommer 2026 auf die Stufe der öffentlichen Prototyp-Demonstration und der ersten Flugtests gebracht.

Erster Testflug

Laut dem Portal Hartpunkt fand der Erstflug der Cobra 600 in der zweiten Hälfte des Augusts 2026 statt. Dabei überflog das Flugzeug etwa 20 km, vermutlich über dem Gebiet der Ostsee. Der Flug wurde ohne simulierte Nutzlast in Form einer IRIS-T-Rakete durchgeführt. Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist zu erkennen, dass das Gerät mit einem Räderfahrwerk zum Start von einer Start- und Landebahn ausgestattet ist, was auf seinen regulären Einsatz von Landflughäfen aus hindeutet.

Charakteristika und Fokus auf geringe Kosten

Das Startgewicht der Cobra 600 beträgt 600 kg. Die angegebene optimale Reichweite mit Kampflast liegt bei etwa 400 km, was laut den Entwicklern die Bekämpfung von Zielen auf Entfernungen ermöglicht, die für vergleichbare Geräte zuvor unerreichbar waren. Die zentrale Strategie des Projekts ist die geringe Kosten des Abfangjägers: Als komplexestes und teuerstes Element des Systems gilt die IRIS-T-Rakete selbst, während das Trägersystem bewusst maximal einfach und günstig ausgeführt wurde.

Kommunikation und Zielidentifikation

Die Zielidentifikation erfolgt über bodengestützte IRIS-T-Systeme über einen gesicherten Datenübertragungsweg. Zur Aufrechterhaltung der Kommunikation über große Distanzen und unter Bedingungen elektronischer Kriegsführung erwägen die Entwickler den Einsatz von Satelliten-Internetmodulen, insbesondere Starlink. Dies soll eine stabile Steuerung des Geräts auf Grenzreichweiten und in einem verrauschten elektronischen Umfeld gewährleisten.

Widersprüchliche Angaben

Verschiedene Medien datieren das öffentliche Auftreten des Geräts unterschiedlich: Laut dem Basistext wurde der erste Prototyp der Cobra 600 im Juni 2026 vorgestellt, während einige Medien seine Demonstration mit der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin in Verbindung bringen. Außerdem bezieht sich die Angabe von 20 km auf einen einzelnen Testdurchgang in der zweiten Hälfte des Augusts 2026 und ist nicht mit der angegebenen Kampfreichweite von 400 km zu verwechseln – in einzelnen Veröffentlichungen können diese Zahlen als Widerspruch wahrgenommen werden, obwohl sie faktisch unterschiedliche Parameter beschreiben: den Testflug und den maximalen Wirkungsradius.

Strategischer Kontext und Perspektiven

Laut der Einschätzung von Defense Express ist die Cobra 600 faktisch ein wiederverwendbares Kampfdrohnenflugzeug, und die Hersteller erwarten, dass es zur Bekämpfung russischer Su-34-Flugzeuge mit gelenkten Waffen eingesetzt werden kann. Die Entwickler selbst erklären die potenzielle Wirksamkeit durch zwei Faktoren: die große Reichweite und die kompakten Abmessungen mit Möglichkeiten für einen leisen Flug. In den kommenden Monaten sind weitere Testflüge geplant, nach denen entweder Simulatoren oder die IRIS-T-Rakete selbst in den Betrieb genommen werden sollen.