Deutschland führt umfassende Verhandlungen über den Erwerb von mehreren tausend modernen Langstreckenraketen und Drohnen zur Stärkung der eigenen Verteidigungsfähigkeit. Zu dieser ehrgeizigen Liste gehören ukrainische Marschflugkörper-Drohnen des Typs „Bars“, deren Produktion im Rahmen einer bilateralen Zusammenarbeit geprüft wird. Informierten Kreisen von Bloomberg zufolge ist Berlin gezwungen, aufgrund von Wartelistenverzögerungen bei US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern nach Alternativen zu suchen.
Strategische Ziele Berlins und Mangel an US-Rüstungsgütern
Die dringende Notwendigkeit zur Auffüllung des deutschen Raketenarsenals ergibt sich aus der Erfordernis zur Abschreckung potenzieller Bedrohungen und zur Modernisierung der Streitkräfte. Gegenwärtig ist der einzige luftgestützte Langstrecken-Wirkungsträger im Bestand der Bundeswehr der Marschflugkörper Taurus mit einer Reichweite von etwa 500 Kilometern, der vom Konsortium MBDA und Saab AB hergestellt wird. Die langwierigen Lieferzeiten für US-amerikanische Tomahawks haben deutsche Regierungsstellen jedoch veranlasst, ihre Verteidigungsstrategie zu überdenken und europäische sowie ukrainische Hersteller einzubeziehen.
Technische Eigenschaften und Modernisierung der ukrainischen Bars
Die ukrainische Strahldrohne-Rakete „Bars“ weckt aufgrund ihrer Kampffähigkeiten und technischen Parameter das Interesse ausländischer Partner. Ursprünglich war das Gerät mit einem Strahltriebwerk, einem Gefechtskopf von 22,5 Kilogramm und einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern ausgestattet. Im Zuge weiterer konstruktiver Verbesserungen wurde die Reichweite auf 1.000 Kilometer erhöht, die Nutzlast des Gefechtskopfes auf 60 Kilogramm gesteigert und die Marschgeschwindigkeit auf über 700 km/h ausgedehnt. Zudem liegt ein wesentlicher Vorteil der Bars in der Fähigkeit zur Online-Steuerung im Zielgebiet, womit ein zentrales Kommunikationsproblem für unbemannte Langstreckensysteme gelöst wird.
### Internationale Verträge und gemeinsame ProduktionNeben den Gesprächen über die Beschaffung und gemeinsame Produktion ukrainischer Bars-Systeme führt die Bundesregierung Verhandlungen mit weiteren Entwicklern von Präzisionswaffen. Konkret diskutieren Beamte des deutschen Verteidigungsministeriums einen Vertrag im Wert von über einer Milliarde Euro mit dem US-amerikanischen Rüstungsstart-up Covenant über die Lieferung tausender Anthem-Langstrecken-Marschflugkörper mit schwerer Nutzlast. Zu den potenziellen Anbietern gehören auch das niederländische Unternehmen Destinus mit Ruta-Systemen sowie das deutsch-britische Unternehmen Hypersonica, das Hyperschalltechnologien entwickelt.
### Bedeutung und Perspektiven neuer VerteidigungsinitiativenDas umfangreiche Beschaffungsprogramm und die Diversifizierung der Zulieferer werden die Konfiguration des deutschen Raketenpotenzials in den kommenden Jahren maßgeblich verändern. Die Integration ukrainischer Entwicklungen wie der Bars in europäische Rüstungslieferketten unterstreicht die wachsende Bedeutung der ukrainischen Rüstungsindustrie bei der Schaffung moderner unbemannter Systeme. Es wird erwartet, dass der erfolgreiche Abschluss der laufenden Verhandlungen Berlin nicht nur in die Lage versetzt, den aktuellen Bedarf an Langstreckenwaffen zu decken, sondern auch langfristige technologische Partnerschaften aufzubauen.