Die Frage der Sicherheit des iranischen Atomprogramms steht erneut im Fokus der weltweiten Analysten. Eine neue Studie, veröffentlicht in der wissenschaftlichen Zeitschrift SciAM, deutet darauf hin, dass das unterirdische Objekt unter dem Berg Pikaks (Kuh-e Kolang Gaz La) praktisch unangreifbar für moderne Waffensysteme sein könnte. Es scheint, als habe die Natur selbst einen zuverlässigen Schild für Teheran geschaffen, der die Bemühungen selbst der leistungsstärksten US-Bunkerbrecher zunichte machen könnte.
Geologie als wichtigste Verteidigungswaffe
Der Berg Pikaks, etwa 220 Kilometer südlich von Teheran gelegen, ist nicht nur ein Felsvorsprung, sondern ein komplexer geologischer Massiv. Die Höhe des Berges beträgt fast 1610 Meter über dem Meeresspiegel. Das Massiv bildete sich vor Millionen von Jahren infolge tektonischer Verschiebungen und gehört zum Gebirgszug Zagros.
Ein Schlüsselfaktor, der Militärexperten Sorgen bereitet, ist die Zusammensetzung der Gesteine. Die vulkanischen Gesteine, aus denen der Berg besteht, verfügen über einzigartige Eigenschaften, die die Wirksamkeit der Druckwelle erheblich verringern können. Nach Schätzungen des Instituts für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) liegt der unterirdische Komplex in einer Tiefe von mindestens 100 Metern unter der Oberfläche des Berges.
Der Mythos der Allmacht der GBU-57
In den letzten Jahren tauchte in den westlichen Medien häufig der Name der US-amerikanischen Bunkerbrecherbombe GBU-57 auf. Diese Waffe mit einem Gewicht von über 12 Tonnen gilt als eine der stärksten im Arsenal des Pentagons. Neue Daten lassen jedoch eine Neubewertung ihrer tatsächlichen Fähigkeiten erforderlich erscheinen.
Laut Berechnungen kann die Bombe etwa 7,9 Meter Gestein mittlerer Härte durchdringen. Diese Zahl wird kritisch wichtig, wenn man das Objekt unter dem Berg Pikaks betrachtet. Wenn die Zentrifugen zur Urananreicherung tatsächlich in einer Tiefe von 100 Metern unter einem Andesit-Schild liegen, wird sich die GBU-57 als absolut ineffektiv erweisen. Der Unterschied zwischen der Durchschlagskraft der Bombe und der Tiefe des Objekts entspricht einem mehr als zehnfachen Sicherheitsfaktor zugunsten der Verteidigung.
Strategie Teherans: Konzentration und Sicherheit
Die Bauarbeiten am Objekt begannen ungefähr im Jahr 2020. Experten betrachten diesen Komplex als strategischen Ersatz für das Objekt in Natanz, das zuvor durch eine Sabotageaktion beschädigt wurde. Der leitende Wissenschaftler des Washington Institute for Near East Policy, Farzin Nadimi, stellt fest, dass Teheran bestrebt ist, die zukünftige Urananreicherung und waffenbezogene Entwicklungen an einem einzigen, maximal geschützten Ort zu konzentrieren.
Nach Ansicht von Nadimi ist der Berg Pikaks ein logischer Kandidat für diese Rolle. Die Zusammenführung kritisch wichtiger Vermögenswerte an einem Ort, der durch natürliche Hindernisse geschützt ist, ermöglicht es dem Iran, die Risiken gezielter Angriffe zu minimieren.
Zweifel an der Zweckmäßigkeit eines Angriffs
Gegenwärtig bleiben die genauen Zeitpunkte für die Inbetriebnahme des Komplexes unbekannt. Dies stellt potenzielle Angreifer vor ein Dilemma. Analysten bezweifeln die Zweckmäßigkeit von Luftangriffen auf einen „praktisch uneinnehmbaren Berg“, an dem ein vollwertiges Atomobjekt möglicherweise noch nicht in Betrieb ist.
Das Zusammenspiel aus komplexer Geologie, erheblicher Tiefe und der Unbestimmtheit des Status des Objekts macht Pikaks somit zu einer der schwierigsten Herausforderungen für militärische Aufklärung und Operationsplanung in der Region.