Die Autofahrer in der Ukraine werden mit einem unvermeidlichen Anstieg der Kraftstoffpreise konfrontiert. In naher Zukunft könnten die Kosten für Benzin und Diesel an den Tankstellen um mindestens 5 Griwna pro Liter steigen. Diese Prognose gab der Kraftstoffexperte und Direktor der Beratungsgruppe „A-95“, Serhij Kujun, in einem Kommentar an RBC-Ukraine ab.

Wirtschaftliches Ungleichgewicht: Großhandelspreise höher als Einzelhandelspreise

Die Situation auf dem Markt für Kraftstoffe und Schmierstoffe hat einen kritischen Punkt erreicht. Derzeit herrscht ein Paradoxon vor, bei dem die Großhandelspreise für Dieselkraftstoff die Kosten übersteigen, zu denen er dem Endverbraucher an den Tankstellen verkauft wird. Der Kraftstoff, den die Unternehmen derzeit zu Weltmarktpreisen einkaufen, ist teurer als der aktuelle Preis an der Zapfsäule.

In den vergangenen Jahren betrug die Differenz zwischen Großhandels- und Einzelhandelspreis etwa 8 bis 10 Griwna pro Liter. Genau diese Lücke stellt das Potenzial für die Preiserhöhung dar. Laut Kujun macht die aktuelle Marktlage eine Verteuerung um 5 Griwna zu einer ausgemachten Sache.

„Das wird auf jeden Fall passieren, da bereits Einkäufe zu hohen Preisen über den aktuellen Einzelhandelspreisen getätigt werden', betonte der Experte.

Zeitrahmen und Dynamik der Erhöhung

Der neue Preis wird sich voraussichtlich in 2 bis 3 Wochen vollständig auf den Preisschildern der Tankstellen widerspiegeln. Genau so viel Zeit wird benötigt, damit die Chargen Kraftstoff, die zu überhöhten Preisen gekauft wurden, in die Ukraine geliefert und verkauft werden.

Der Experte beruhigt, dass die Verteuerung schrittweise erfolgen wird, ohne plötzliche Schocks für die Verbraucher. Dies liegt daran, dass die Weltmarktpreise für Energieträger allmählich und nicht sprunghaft gestiegen sind.

Wer wird die Preise zuerst erhöhen?

Die Reaktion des Marktes wird ungleichmäßig sein. Als erste werden die Tankstellen im Wirtschaftssektor mit der Überprüfung der Preisschilder beginnen. Bei diesen Netzwerken ist die Margenleistung am geringsten und es gibt keine signifikanten Kraftstoffvorräte, was sie zwingt, sofort auf steigende Kosten zu reagieren.

Große Tankstellennetze werden die Preise als letzte erhöhen. Dies liegt an der Verfügbarkeit eines Puffers und großer Lagerbestände, die es ihnen ermöglicht haben, stabile Preise in den letzten zwei Wochen aufrechtzuerhalten.

„Wir sehen derzeit, dass der Anstieg der Weltmarktpreise bereits zwei Wochen anhält (wenn nicht länger), während der Preis an der Zapfsäule nicht gestiegen ist. All diese Zeit wurden die Vorräte genutzt. Aber sie sind nicht unbegrenzt, niemand hält sie länger als zwei Wochen. Dieser Vorrat ist bereits aufgebraucht', fügte Serhij Kujun hinzu.