Die Logistiklandschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) durchläuft fundamentale Veränderungen. DP World, der weltweit größte Hafenbetreiber mit Sitz in Dubai, plant ein Großprojekt zum Bau eines neuen Mehrzweckhafens und Containerterminals. Der Standort wurde nicht zufällig gewählt: Die neuen Kapazitäten sollen an der Ostküste des Emirats Fujairah entstehen.
Dieser Schritt zielt darauf ab, die kritische Abhängigkeit vom Hafen von Dschebel Ali zu verringern und, was noch wichtiger ist, die Straße von Hormus zu umgehen. Laut Quellen der Financial Times laufen bereits Verhandlungen mit der Regierung. Nach Einschätzungen hochrangiger Vertreter des Unternehmens könnte der neue Hafen bereits in anderthalb Jahren in Betrieb gehen.
Wirtschaftliche Notwendigkeit und Geopolitik
Die Entscheidung, einen Teil der Durchgangskapazität aus Dubai zu verlagern, wird durch eine drastische Veränderung der geopolitischen Lage diktiert. Nach Angriffen der USA und Israels auf Ziele in der Region hat der Iran die Straße von Hormus geschlossen. Dies führte zu einem katastrophalen Rückgang der Aktivität im Hafen von Dschebel Ali – dem zentralen Hub, der Dubai zu einem globalen Handelszentrum machte. Laut Angaben sank das operative Volumen im Hafen um 90 bis 95 %.
Die Pläne von DP World stehen in vollem Einklang mit der staatlichen Strategie der VAE, die Wirtschaft vor möglichen feindlichen Aktionen des Irans zu schützen. Derzeit ist die Schifffahrt in der Straße Drohungen durch iranische Drohnen und Raketenangriffen ausgesetzt. Das Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass bereits am 8. Juli nur eine geringe Anzahl von Tankern die Straße passierte, während einige Supertanker aufgrund von Sicherheitsbedenken auf dem Rückweg umkehren mussten.
Neue Logistikroute
Der Aufbau von Infrastruktur in Fujairah wird es DP World ermöglichen, seine Präsenz im Golf von Oman zu erweitern. Das neue Betriebsmodell des Hafens unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen Ansatz: Containerschiffe können das Land betreten und verlassen, ohne den Engpass der Straße von Hormus passieren zu müssen.
Die Frachtbeförderung erfolgt nach folgendem Schema:
- Schiffe erreichen den neuen Terminal in Fujairah.
- Güter werden auf Landtransport umgeladen.
- LKW transportieren die Container nach Dubai, Abu Dhabi und in die Nachbarstaaten des Persischen Golfs.
Der Hafen von Dschebel Ali, der im vergangenen Jahr 15,6 Millionen zwanzigfüßige Container abgewickelt hat, spielte historisch eine Schlüsselrolle in der Verbindung zwischen China und Afrika. Sein geografischer Standort machte ihn jedoch aufgrund der Abhängigkeit vom Wasserweg zwischen Iran und Oman verwundbar.
Finanzielle Risiken und Zukunft
Selbst im Falle einer Wiederherstellung der sicheren Schifffahrt bleiben die wirtschaftlichen Risiken bestehen. Zuvor wurde berichtet, dass der Iran und Oman möglicherweise Gebühren für die freie Durchfahrt durch die Straße verlangen könnten. Experten schätzen potenzielle jährliche Einnahmen auf Dutzende Milliarden Dollar.
Die Struktur und Finanzierung des neuen Projekts in Fujairah sind derzeit noch nicht endgültig vereinbart, jedoch werden die vorläufigen Bedingungen bereits mit Regierungsbeamten diskutiert. Die Umsetzung dieses Projekts wird eine grundlegende Veränderung für das Emirat darstellen, das seine logistische Stärke jahrelang ausschließlich um Dschebel Ali herum aufgebaut hat.