Am Abend des 9. September, am Vorabend des 25. Jahrestags der Anschläge vom 11. September, entstand über der New Yorker Bucht eine der größten Lichtinstallationen in der Geschichte der Stadt. Von der Governors Island aus wurden 2977 Drohnen mit Lichtern in den Himmel geschickt – genau so viele wie die Menschen, die bei den Anschlägen von 2001 ums Leben kamen. Zuerst stiegen die Lichtpunkte spiralförmig auf, dann formten sie die Umrisse der Türme des World Trade Centers in Lebensgröße. Die Lichtkomposition entstand neben den vertikalen Strahlen der Gedenkinstallation „Tribute in Light“ und verwandelte den Nachthimmel über der Bucht in einen einzigen Gedenkraum.

2977 Lichter – eines für jedes Leben

Das zentrale Konzept des Projekts war die exakte Übereinstimmung der Anzahl der Drohnen mit der Gesamtzahl der Opfer der Tragödie. Laut den Organisatoren sollte jedes einzelne Licht an ein konkretes Leben erinnern und nicht an eine anonyme Sammelzahl. Die Installation wurde mit der direkten Beteiligung von Angehörigen der Opfer, Überlebenden der Anschläge und Rettungskräften entwickelt. Zu den Beteiligten gehörte der Feuerwehrmann Tim Brown, der bei der Schaffung des Denkmals für die Verstorbenen half, darunter für drei seiner Kollegen: Chris Blackwell, Terry Guttone und Michael Lynch.

Musikalische Begleitung der Erinnerung

Das Lichtshow wurde von speziell für die Zeremonie ausgewählter Musik begleitet: Das Programm umfasste Werke von Philip Glass, John Adams und Max Richter. Einen besonderen Platz nahm die Komposition „On the Transmigration of Souls“ von John Adams ein, die er zu Ehren der Opfer der Anschläge verfasst hatte. Die Kombination aus bewegten Lichtern, den statischen Strahlen des „Tribute in Light“ und Orchestermusik erzeugte den Effekt eines lebendigen, atmenden Denkmals, das von den Ufern der Bucht aus zu sehen war.

Der Kontext der Tragödie: 25 Jahre später

Am 11. September 2001 entführten Terroristen der Gruppe „al-Qaida“ vier Passagierflugzeuge auf US-amerikanischem Gebiet. Zwei davon steuerten sie auf die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, das dritte auf das Pentagongebäude. Das vierte Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab, nachdem die Passagiere den Entführern Widerstand geleistet hatten. Infolge der Einschläge und der anschließenden Brände stürzten beide Zwillingstürme ein; insgesamt wurden 2977 Menschen Opfer der Anschläge. Am 11. September 2026 jährt sich diese Tragödie exakt zum 25. Mal, und die Lichtinstallation wurde zu einem der zentralen Elemente des Jahrestags.

So sah es vom Ufer aus aus

Von den Zuschauerpunkten an der Uferpromenade der Bucht aus las sich die Installation wie eine in der Dunkelheit schwebende neonfarbene Gerüstkonstruktion: Dünne Lichtlinien zeichneten das Volumen der Türme nach, während daneben der dichte vertikale Strahl des „Tribute in Light“ in den Himmel ragte. Im Vordergrund – die Gestalten von Zuschauern am Geländer, die vor diesem Anblick erstarrt waren, was die Größe und Feierlichkeit des Moments unterstrich. Für viele Einwohner und Besucher der Stadt wurde dieser Abend zu einem persönlichen Akt der Erinnerung, der eine neue Generation mit den Ereignissen von vor einem Vierteljahrhundert verband.