In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 2026 kam es im Kottedgedorf „Chateau Sovereign“ in der Region Moskau zu einem Vorfall mit dem russischen Rapper Dschigan (Denis Ustimenko-Weinstein). Laut dem Telegram-Kanal Mash, auf den die Agentur „RossSmi“ verwies, hatte sich der Künstler mit einem Karabiner „Saiga-9“ bewaffnet, die Hausangestellten und die Sicherheitskräfte im Wohnzimmer versammelt und sie etwa zehn Stunden lang in Schach gehalten, während er sie der Verrat und verschiedener Verbrechen beschuldigte. Berichten russischer und ukrainischer Medien zufolge wurde bei den Schüssen einer der Bodyguards an Arm und Bein verletzt. Die Ehefrau des Rappers, Oksana Samoilowa, bestätigte den Vorfall gegenüber der Redaktion von Mash, wobei kein direktes Zitat zitiert wurde.
Verlauf der Ereignisse: von den Vorwürfen bis zu den Schüssen
Laut der von dem Kanal Mash dargestellten Version hatte Dschigan in affekthaftem Zustand dem Hauspersonal und den Sicherheitskräften Untreue, den Leak vertraulicher Informationen und weitere Verfehlungen vorgeworfen. Einer der am meisten beachteten Episoden war dem Kanal zufolge der Vorwurf, ein Bodyguard habe sich an Kindern sexuell vergangen. Den Mann habe man, so die Quelle, unter Waffengewang zum „Geständnis“ gezwungen, woraufhin ihm einige Sekunden zum Fliehen gegeben wurden. Danach folgten die Schüsse – der Security-Mann wurde an Arm und Bein verletzt. Die übrigen Anwesenden beschuldigte der Rapper laut Augenzeugen ebenfalls verschiedener Verfehlungen und forderte Geständnisse. Schließlich trafen die Sicherheitskräfte des Kottedgedorfes, die Polizei und Bekannte des Künstlers ein, die es gelang, die Schüsse zu stoppen.
Die Kinder im Haus und die Reaktion der Familie
Laut Berichten russischer Medien befanden sich während des Vorfalls die Kinder von Dschigan im Haus. Sie versteckten sich in den Zimmern und hielten Kontakt mit der Mutter – Oksana Samoilowa, die sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland aufhielt. Nach ihrer Rückkehr nach Moskau habe Samoilowa, so die Quellen, die Sicherheit für sich und die Kinder verstärkt. Im Gespräch mit der Redaktion von Mash bestätigte sie den Vorfall selbst, doch der Kanal zitierte sie nicht direkt und präziserte nicht, welche Details sie genau bestätigte. Weder Dschigan noch seine Vertreter gaben öffentlich Kommentare zum Vorfall ab.
Rehabilitation in Israel
Nach den Juli-Ereignissen wurde Dschigan in ein Rehabilitationszentrum in Rischon LeZion (Israel) verbracht. Laut „RossSmi“ wurde der Künstler unmittelbar nach dem Vorfall dorthin gebracht. Im August veröffentlichte er Fotos und Videos aus dem Zentrum in sozialen Netzwerken, nannte die Behandlungsgründe jedoch öffentlich nicht. Nach vorliegenden Informationen durchläuft der Rapper ein dreimonatiges Programm, das Einzel- und Gruppentherapie umfasst, wobei seine Kontakte und Bewegungen von den Mitarbeitern der Einrichtung kontrolliert werden. Somit ist das Behandlungsprogramm zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (September 2026) vermutlich nahe am Abschluss.
Widersprüchliche Angaben
Einige Details des Vorfalls basieren ausschließlich auf der Veröffentlichung des Telegram-Kanals Mash und wurden nicht unabhängig von anderen Quellen bestätigt. Insbesondere die Dauer der Geiselnahme von „etwa zehn Stunden“ wird im einleitenden Teil der Meldungen genannt, in der detaillierten Chronologie der Ereignisse wird die genaue Dauer jedoch nicht angegeben. Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den Bodyguard sowie die Details des „Geständnisses“ und der anschließenden Schüsse werden nur in der Version von Mash genannt und nicht von anderen Medien corroborated. Die Waffengattung – Karabiner „Saiga-9“ – wird ebenfalls nur in einer einzigen Quelle angegeben. Der Vorfall der Schüsse, die Verletzung des Security-Mannes und die anschließende Hospitalisierung/Rehabilitation von Dschigan werden jedoch von mehreren unabhängigen Medien (360.ru, 7days.ru, tengrinews.kz) und indirekt durch Veröffentlichungen des Künstlers selbst aus dem Rehabilitationszentrum bestätigt. Oksana Samoilowa bestätigte den Vorfall, ohne Details preiszugeben, was eine eindeutige Verifizierung jeder der genannten Versionen nicht erlaubt.
Kontext: Wer ist Dschigan und warum löste der Vorfall Resonanz aus
Denis Ustimenko-Weinstein, bekannt unter dem Pseudonym Dschigan, wurde in Odessa geboren. Die ukrainische Herkunft des Rappers machte seine öffentliche Position nach Beginn der vollen Invasion Russlands in die Ukraine besonders resonanzreich: Nach dem 24. Februar 2022 verurteilte er die russische Aggression nicht und kommentierte die Angriffe auf ukrainische Städte, darunter auch auf seine Heimatstadt Odessa, nicht. 2023 wurde Dschigan in die Sanktionsliste des SNBO der Ukraine unter den russischen Kulturschaffenden aufgenommen. Bereits vor der vollen Invasion geriet der Künstler wiederholt in Skandale, die mit Problemen der Alkohol- und Drogensucht sowie mit Behandlungen in Rehabilitationszentren zusammenhingen. 2020 berichtete er selbst von einer Therapie nach einem Rückfall; im selben Jahr erklärte seine Ehefrau öffentlich von einer schweren Krise in der Ehe und reichte auf Scheidung ein, wobei das Paar die Beziehung später beibehielt. In russischen Medien wurden auch Videoaufnahmen diskutiert, auf denen Dschigan aggressives Verhalten in Anwesenheit seiner eigenen Kinder zeigte. Gerade die Summe dieser Faktoren machte den Juli-Vorfall im Kottedgedorf bei Moskau zu einem breiten medialen Skandal.