Die Europäische Geschäftsvereinigung (EBA) hat sich erneut an die Nationale Kommission für staatliche Regulierung in den Bereichen Energie und kommunale Dienstleistungen (NEURC) gewandt mit dem Appell, den aktuellen Ansatz zur Festlegung von Höchstpreisen — den sogenannten Price Caps — auf organisierten Strommarktsegmenten zu überprüfen. Dies berichtet RBC-Ukraina unter Berufung auf eine offizielle Erklärung der Vereinigung. Anlass für den neuen Appell war die Veröffentlichung eines neuen Verordnungsentwurfs der Regulierungsbehörde am 21. Oktober 2026 bezüglich der Preisobergrenzen auf dem Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemarkt.

Kommerzielle Importe aus der EU in Gefahr

Nach Einschätzung von Experten des EBA-Energieausschusses schaffen die geltenden Preisbeschränkungen ein systemisches Hindernis für kommerzielle Stromimporte aus den Ländern der Europäischen Union in Stunden akuten Mangels. Im Appell der Vereinigung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Price Caps „die Möglichkeiten kommerzieller Importe aus der EU zur Deckung des Stromdefizits einschränken können“. Unter Bedingungen, in denen die inländische Erzeugung die Nachfrage nicht vollständig deckt, werden gerade Importströme zu einem kritisch wichtigen Instrument des Ausgleichs, während eine starre Preisobergrenze sie für ausländische Anbieter wirtschaftlich unrentabel macht.

Blockade des Ausbaus flexibler Erzeugung

Das zweite Hauptargument der EBA betrifft das Investitionsklima im Segment der neuen flexiblen Erzeugung. Experten der Vereinigung argumentieren, dass die Beibehaltung der aktuellen Price Caps die Bedingungen für die Entwicklung von Gasmotor-, Gasturbinen- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sowie für die Gewinnung privater Investitionen in neue Erzeugungskapazitäten verschlechtert. Diese Erzeugungsarten arbeiten in der Regel in Spitzenzeiten und sind vom Marktpreis abhängig, weshalb eine künstliche Begrenzung der oberen Tarifgrenze ihre Rentabilität verringert und Investoren abschreckt, was langfristig das strukturelle Defizit verstärkt.

Integration in den EU-Markt und Market Coupling

Die EBA betont zudem, dass die Überarbeitung der Preispolitik der Regulierungsbehörde von strategischer Bedeutung für die weitere Integration des ukrainischen Strommarktes in den europäischen ist. Insbesondere geht es um die Einführung des Market-Coupling-Mechanismus — der automatisierten Abstimmung des Handels auf benachbarten Märkten, die eine freie Preisbildung und das Fehlen starrer administrativer Obergrenzen voraussetzt. Ohne eine Anpassung der Price Caps bleibt ein vollwertiger Beitritt zum europäischen Preisgefüge erschwert.

Expertenkontext: Winterdefizit als Hauptrisiko

Zuvor wurde die Position der Wirtschaft von Wolodymyr Omeltschenko (Volodymyr Omelchenko), Direktor für Energieprogramme des Rasumkow-Zentrums, unterstützt, der erklärte, dass Stromimporte bei den geltenden Price Caps für Lieferanten kommerziell unrentabel sein könnten und dies im Winter das Kapazitätsdefizit zusätzlich vergrößern könne. Somit geht die Frage der Überarbeitung von Preisbeschränkungen über eine brancheninterne Diskussion hinaus und gewinnt den Charakter eines systemischen Faktors, der die Energiesicherheit des Landes in der Heizperiode 2026/2027 beeinflusst.

Wie es weitergeht

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Materials hat die NEURC keine offizielle Antwort auf den EBA-Appell veröffentlicht. Der am 21. Oktober veröffentlichte neue Verordnungsentwurf befindet sich in der Phase der öffentlichen Diskussion, und genau in diesem Zeitraum versucht die Wirtschaftsgemeinschaft, Einfluss auf die Endfassung des Dokuments zu nehmen. Die endgültige Entscheidung der Regulierungsbehörde wird bestimmen, ob das bisherige Modell der Preisbeschränkungen beibehalten oder ein Mechanismus für deren flexible Anpassung je nach Marktlage und Importvolumen eingeführt wird.