Laut den neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums der Demokratischen Republik Kongo wurden im Land 5021 Fälle des Ebola-Fiebers registriert, von denen 2378 tödlich endeten. Wie die WHO betont, breitet sich die aktuelle Ausbruchswelle mit beispielloser Geschwindigkeit aus – etwa dreimal schneller als die größte Epidemie in Westafrika in den Jahren 2014–2016, bei der mehr als 11 000 Menschen ihr Leben verloren. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte: „Wir müssen ehrlich miteinander sein: Die Pandemie ist noch nicht unter Kontrolle. Der Ausbruch hat längst begonnen, und wir versuchen immer noch, ihn zu stoppen.“

Beispiellose Ausmaße und der 17. Ausbruch in der Geschichte des Landes

Es handelt sich bereits um den 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo, doch erstmals ist er der tödlichste in der Geschichte des Landes und übertrifft den düsteren Rekord der Jahre 2018–2020. Die Epidemie wütet vor allem in abgelegenen Gebieten, in denen die Reaktion durch eine instabile Lage, Massenvertreibungen und die ständige Bewegung der Bevölkerung erschwert wird. Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate durch das Ebola-Fieber im Land erreichte 47,4 %, und in den am stärksten betroffenen Regionen wie der Provinz Nord-Kivu steigt dieser Wert auf 70 %.

Der Bundibugyo-Stamm und die verspätete Meldung des Ausbruchs

Als Hauptgrund für die kritische Lage nennen Experten den seltenen Virusstamm Bundibugyo, für den derzeit kein offiziell zugelassener Impfstoff oder spezifisches Behandlungsmittel existiert. Genetische Daten zeigen, dass der Virus bereits seit Februar aus der Bergarbeitersiedlung Mongbwalu unbemerkt verbreitet wurde, lange bevor die Behörden Mitte Mai offiziell den Ausbruch meldeten. Die späte Entdeckung führte dazu, dass die meisten neuen Fälle unentdeckt blieben, was das epidemiologische Überwachungssystem überlastete und die Patienten einer rechtzeitigen medizinischen Versorgung beraubte.

Widersprüchliche Daten

In offenen Quellen sind die Angaben zur Zahl der Todesopfer unterschiedlich. Das Gesundheitsministerium der DR Kongo und mehrere internationale Berichte verzeichnen 2378 Todesfälle, während einige regionale Medien (insbesondere die azerische Publikation media.az) die gerundete Formulierung „mehr als 2000 Tote“ verwenden. Der Unterschied erklärt sich sowohl durch den unterschiedlichen Zeitpunkt der Datenerfassung als auch durch die Verwendung gerundeter Schätzungen in einzelnen Veröffentlichungen. Bei der Zahl der Infizierten (über 5000) stimmen die Angaben der Quellen überein.

Zusammenbruch des Gesundheitssystems und Bedrohungen für das medizinische Personal

Das medizinische Personal in der Epidemiezone wird zum Ziel von Rebellengruppen und Opfer falscher Gerüchte. Kürzlich griff in der Region Aru der Provinz Ituri eine extremistische Menge eine medizinische Brigade an, setzte ein Krankenwagenfahrzeug in Brand und beschädigte mehrere weitere. Der enorme Druck und die unangemessene Vergütung haben das lokale Gesundheitssystem an den Rand des Zusammenbruchs gebracht: Laut der Krankenschwester Teresa Ania aus Bunia haben viele Mitarbeiter wegen ausstehender Gehaltszahlungen den Streik ausgerufen und davor gewarnt, dass „wir alle am Ende gehen werden, wenn die Führung dies nicht ernst nimmt“.

Ungewöhnliche Maßnahmen und Hoffnung auf einen Impfstoff

Um die Infektionskette zu durchbrechen, setzt die WHO eine Strategie ein, die Motorradtaxifahrer in die epidemiologische Überwachung einbindet, da diese häufig Kranke und Leichen transportieren. Internationale Experten fordern, die Maßnahmen näher an die Bevölkerung in abgelegenen und bergbaulichen Regionen zu bringen und das Bewusstsein der lokalen Gemeinschaften zu schärfen. Der einzige „Lichtblick“ inmitten der Krise bleibt die Prüfung eines von der Universität Oxford (Großbritannien) speziell für den Bundibugyo-Stamm entwickelten Impfstoffs: Er wurde bereits dem ersten Freiwilligen in Großbritannien verabreicht, und Hunderttausende Dosen wurden in Indien hergestellt und stehen bereit, sobald die klinischen Versprechen vielversprechende Ergebnisse liefern.