In der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) entwickelt sich eine massive humanitäre Katastrophe. Nach den neuesten Daten wurden mehr als 3500 Fälle einer Infektion mit dem Ebola-Virus registriert, was den aktuellen Ausbruch auf das Niveau der schwersten Epidemie in der Geschichte des Landes stellt. Die Situation wird dadurch verschärft, dass sich der Virus mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit ausbreitet und die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion durch militärische Handlungen in der Region erschwert werden.

Rekordwerte bei der Sterblichkeit

Laut Informationen der Nachrichtenagentur AFP erreichte die Zahl der laborbestätigten Fälle der Ebola-Fieber bis zum 1. August 3532. Diese Zahlen übersteigen die der vorherigen, größten Epidemie in der DR Kongo, die von 2018 bis 2020 wütete. Damals wurden 3500 Infektionsfälle registriert, und die Zahl der Todesopfer belief sich auf fast 2300 Menschen.

Mittlerweile beträgt die Letalität des Virus bei dem aktuellen Ausbruch 1556 Tote. Der amtierende Leiter des Welternährungsprogramms der UNO, Carl Skau, bezeichnete das Geschehen in einem Gespräch mit Reuters als „die sich am schnellsten ausbreitende Ebola-Epidemie, die wir je gesehen haben“.

Zum Vergleich: Die größte Ausbruchswelle in der Geschichte der Menschheit bleibt die Epidemie in Westafrika 2014–2016, die Guinea, Liberia und Sierra Leone erfasste. Damals wurden 28.616 Erkrankungsfälle und 11.310 Todesfälle registriert.

Epizentrum in einem Kriegsgebiet

Der im Mai begonnene Ausbruch hat bereits 5 der 26 Provinzen des Landes mit einer Bevölkerung von 116 Millionen Menschen erfasst. Zum Epizentrum der Krise ist die nordöstliche Provinz Ituri geworden, die an Uganda und den Südsudan grenzt.

Die Situation in Ituri wird nicht nur durch die hohe Bevölkerungsdichte, sondern auch durch aktive Kampfhandlungen zwischen bewaffneten Gruppen erschwert. Armut und eine instabile politische Lage hindern die medizinischen Fachkräfte daran, die Ausbreitung des Virus effektiv einzudämmen. Vertreter der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) berichteten zuvor, dass Angehörige Verstorbene oft ohne Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen bestatten, was zum Katalysator für die weitere Übertragung der Infektion wird.

Fehlen eines Impfstoffs gegen die neue Variante

Besondere Besorgnis erregt die Natur des Virus selbst. Dies ist bereits der 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo, doch diesmal wird er durch eine seltene Virusvariante ausgelöst – Bundibugyo. Gegen diesen Stamm gibt es derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlungsmethode.

Der Ebola-Virus wird durch direkten Kontakt mit biologischen Flüssigkeiten infizierter Menschen übertragen und verursacht eine schwere hämorrhagische Fieber. In den letzten 50 Jahren wurden in Afrika mehr als 15.000 Menschen Opfer dieser Krankheit. Unter den Bedingungen fehlender spezifischer Therapien und einer komplexen Logistik in der Konfliktzone wird der Kampf gegen die Epidemie in der DR Kongo zu einer extrem schwierigen Aufgabe für die internationale Gemeinschaft.