Das Volumen der Eisenbahntransporte von Eisenerz in Exportrichtung könnte um 30–40 % sinken, da Russland die ukrainischen Seehäfen regelmäßig beschiesst. Dies erklärte Valerij Tkatschew, stellvertretender Direktor der Abteilung für kommerzielle Tätigkeit des Unternehmens, laut RBC-Ukraine in einem Vortrag im Zentrum für Wirtschaftsstrategie. Seinen Worten zufolge hat die systematische Zerstörung der Hafeninfrastruktur bereits zur Schließung der Seerouten geführt, was wiederum unmittelbar die Auslastung der Eisenbahn und die Exportströme von Rohstoffen trifft.
Verluste beim Erzexport und Stilllegung des Abbaus
„Beim Erz werden wir eindeutig fast die Hälfte unseres Exports verlieren, irgendwo 30–40 %“, so Tkatschew. Aufgrund der Zerstörung der Hafeninfrastruktur und der Unmöglichkeit, die Seerouten zu nutzen, waren die Unternehmen Ferrexpo und Juschny GOK gezwungen, den Betrieb ihrer Bergbaukapazitäten einzustellen. Damit wird der Schlag gegen die Logistik zu einem direkten Produktionsverlust: Erz, das nicht abtransportiert werden kann, ist faktisch kein Handelsgut mehr.
Schlag gegen die Metallurgie: Juli-Dynamik
Ein weiterer Schlag gegen die Branche waren die russischen Beschussaktionen gegen metallurgische Betriebe. Berichten zufolge zwangen die Angriffe Russlands im August ArcelorMittal, die Produktionsvolumen zu reduzieren, und Sacharystal musste den Betrieb einstellen. Infolgedessen ging die metallurgische Produktion in der Ukraine im Juli im Vergleich zum Juni um 34–36 % zurück, was das Ausmaß der Krise in dem Sektor bestätigt, der unmittelbar mit dem Erzrohstoff verbunden ist.
EU-Kontingente, CO2-Abgabe und Tarife der Ukrsalisnyzja
Neben Beschuss und Logistikproblemen belasten auch externe Faktoren die Ergebnisse der Branche: die Einführung von Kontingenten der Europäischen Union für ukrainische metallurgische Produkte und die sogenannte „CO2-Abgabe“ (CBAM). Ein interner Faktor war die Anhebung der Tarife für den Güterverkehr durch die Ukrsalisnyzja. Dabei hatte das Staatsunternehmen „Ukropromwnechexportertsisija“ davor gewarnt, dass eine solche Anhebung die Güterbasis der UZ um 27 Millionen Tonnen verringern und zudem zu einem Verlust von 96 Milliarden UAH BIP pro Jahr, 2,4 Milliarden US-Dollar Exporterlösen und 36 Milliarden UAH an Budgeteinnahmen führen werde.
Die wirtschaftliche Falle der Industrieriesen
In ihrer Gesamtheit haben diese Faktoren die inländischen Industrieriesen in eine wirtschaftliche Falle getrieben: Aufgrund des Zustands der Häfen, der Logistik und der UZ-Tarife haben die Unternehmen faktisch keine Möglichkeit, ihre Produkte gewinnbringend an ausländische Käufer zu liefern. Experten weisen darauf hin, dass ohne Wiederherstellung sicherer Exportrouten und eine Überarbeitung der Tarifpolitik die Verluste der Branche strukturell und nicht nur vorübergehend sein könnten.