Die Nationale Assoziation der Bergbauindustrie der Ukraine (NADPU) hat sich öffentlich gegen die geplante Erhöhung der Frachttarife der Ukrzaliznytsja um 30 % ausgesprochen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die entsprechende Erklärung des Verbands. In der NADPU wird behauptet, dass eine solche Entscheidung den Druck auf die Industrie in einem Moment verstärkt, in dem die Unternehmen bereits russischen Angriffen und der Blockade der Häfen ausgesetzt sind. Nach Einschätzung des Verbands kann die neue Tariferhöhung zu einer Produktionsrückgang, dem Verlust von Exportverträgen, Währungseinnahmen, Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen führen.
Fehlen einer vollwertigen Alternative zum Eisenbahnverkehr
Das Hauptargument des Verbands besteht darin, dass der ukrainischen Industrie faktisch keine vollwertige Alternative zum Eisenbahnverkehr zur Verfügung steht. Die westlichen Grenzübergänge sind nach Angaben der NADPU-Vertreter überlastet, die Donauhäfen verfügen über eine begrenzte Durchlasskapazität, und der Transport über Nachbarländer ist deutlich teurer geworden. Vor diesem Hintergrund, so der Verband, wird die weitere Verteuerung des innerukrainischen Eisenbahntransports für exportorientierte Branchen zum kritischen Faktor.
Wirtschaftliche Risiken: von Steuern bis zum BIP
Die NADPU führt eigene Berechnungen möglicher Folgen der Entscheidung über die 30-prozentige Erhöhung an. Darunter fallen Verluste von bis zu 36 Mrd. UAH an Steuereinnahmen, bis zu 2,4 Mrd. USD an Währungseinnahmen und bis zu 96 Mrd. UAH am BIP. Der Verband warnt außerdem, dass ein Teil der Fracht auf den Straßenverkehr umgeschlagen werden könnte, was potenziell bis zu 75.000 zusätzliche Lastwagen auf den Straßen des Landes bedeutet. Besonders hervorgehoben wird, dass die Situation für die Bergbau- und Metallurgiebranche bereits kritisch ist: In Einzelfällen übersteigen die Logistikkosten den Gewinn pro Tonne Produkt, wodurch Exportverträge unrentabel werden.
Widersprüchliche Daten
In den Veröffentlichungen zum Thema ist eine Diskrepanz bei der Schlüsselzahl der Erhöhung zu beobachten. Der Haupttext der Erklärung und eine Reihe von Medien operieren mit dem Wert von 30 % (ab dem 1. August 2026) und einer möglichen weiteren Erhöhung um 15 % ab Januar 2027, was insgesamt einen kumulativen Anstieg von rund 45–50 % ergibt. Dabei wird die Initiative in der Schlagzeile einer der Quellen (UNIAN) als Erhöhung „um mehr als 40 %“ beschrieben. Somit gibt es im öffentlichen Raum keine einheitlich abgestimmte Zahl: 30 % ist die einmalige Indexierung des Jahres 2026, während „mehr als 40 %“ entweder den kumulativen Effekt der beiden Stufen oder eine andere Interpretation der Initiative widerspiegelt. Darüber hinaus sind alle makroökonomischen Schätzungen (36 Mrd. UAH Steuern, 2,4 Mrd. USD Einnahmen, 96 Mrd. UAH BIP, 75.000 Lastwagen) Berechnungen der NADPU selbst und wurden nicht durch eine unabhängige Prüfung bestätigt.
Fünf Vorschläge des Verbands
Statt der 30-prozentigen Erhöhung nennt die NADPU einen Korridor der Tarifanpassung für die Jahre 2026–2027 von nicht mehr als 5–14 % als gerechtfertigt. Der Verband weist zudem darauf hin, dass die Frachtbasis der Ukrzaliznytsja in den Jahren 2021–2025 nahezu halbiert wurde – von 315 Mio. auf 161 Mio. Tonnen –, während der Frachtsektor weiterhin profitabel bleibt, die Verluste des Personenverkehrs im Jahr 2025 jedoch rund 20 Mrd. UAH betrugen. In diesem Zusammenhang hält die NADPU es für falsch, den Personenschaden auf die Frachtkunden abzuwälzen, und schlägt vor, den Personenverkehr aus dem Staatshaushalt über den PSO-Mechanismus zu finanzieren, wie dies in den EU-Ländern üblich ist. Zu den fünf Prioritätsschritten, die der Verband vorschlägt, gehören: die Einführung von Rabatten von bis zu 25 % für Bahnhöfe im Umkreis von 150–200 km von der Frontlinie; die Finanzierung des Personenverkehrs aus dem Haushalt über PSO; die Wiederherstellung des Lokomotivparks und der Besatzungen mit Hilfe internationaler Partner; die Optimierung der Ausgaben der Ukrzaliznytsja; sowie die Festlegung des Ziels, die Frachtbasis auf das frühere Niveau zurückzuführen.
Kontext: Chronologie der Tarifinitiative
Wie erinnert wurde, hat das Ministerium für die Entwicklung der Gemeinden und Territorien im Juni einen Entwurf einer Verordnung veröffentlicht, mit dem vorgeschlagen wird, die Tarife für den Frachtempfang per Eisenbahn ab dem 1. August 2026 um 30 % und ab Januar 2027 um weitere 15 % zu erhöhen. Die Wirtschaft hatte sich bereits zuvor gegen die Tariferhöhung ausgesprochen und davor gewarnt, dass die Folgen schlimmer ausfallen könnten als der erwartete Effekt. Experten weisen auch darauf hin, dass diese Initiative der Ukrzaliznytsja sich auch auf die Kraftstoffpreise in der Ukraine auswirken könnte. Dabei steht die Ukrzaliznytsja selbst vor einem Mangel an Lokomotiven, einem Fehlen von Lokführern, einer Verringerung des Arbeitsparks der Waggons und einem Verschleiß der Infrastruktur; nach Position der NADPU können diese Probleme jedoch nicht durch eine weitere Tariferhöhung für die Industrie gelöst werden. Der Verband betont, dass die Transportinfrastruktur in Kriegszeiten Teil der wirtschaftlichen Resilienz des Landes ist, weshalb die Tarifpolitik auf den Erhalt der Produktion und des Exports ausgerichtet sein muss und nicht auf eine weitere Verringerung der Fracht.