Der am 28. Februar begonnene Konflikt im Iran, der zu Instabilität auf den weltweiten Energiemärkten führte, hatte in Südostasien eine unerwartete Nebenwirkung: Die Nachfrage nach privaten Solaranlagen stieg sprunghaft an. Auf den Philippinen entschied sich die 63-jährige Lehrerin Heidi Mendoza aus der Stadt Marikina, rund 390.000 Peso (etwa 6.500 US-Dollar) in die Installation von Solarpanelen auf dem Dach ihres Hauses zu investieren. Laut ihren Aussagen, die von der New York Times veröffentlicht wurden, war die Hauptmotivation die Bedrohung durch flächendeckende Stromausfälle: „Ich mache mir Sorgen vor einem möglichen Stromausfall. Ohne Strom kann ich nicht online arbeiten.“

Preissteigerungen und rekordhohe Nachfrage

Mendosas Entscheidung war Teil eines breiteren Trends. Auf den Philippinen waren die Strompreise ohnehin einige der höchsten in der Region, und nach schwerwiegenden Stromausfällen, die die Regierung zur Ausrufung eines Energie-Notstands zwangen, stiegen die Tarife um etwa 14 %. Das Unternehmen GoSolar berichtete, dass die Anzahl der Beratungsanfragen mehr als doppelt so hoch war wie auf dem üblichen Niveau, und der Anteil der Kunden, die von der Anfrage zum Vertragsabschluss übergingen, von 20 % auf 35 % stieg. Das Gesamtbestellvolumen des Unternehmens stieg um etwa das Fünffache. Das größte private Stromvertriebsunternehmen Meralco verzeichnete einen ähnlichen Anstieg: Während das Unternehmen vor dem Konflikt etwa 20 Anschlüsse für Dach-Solaranlagen pro Monat bearbeitete, ist diese Zahl nun auf 20 pro Tag gestiegen und könnte 30 pro Tag erreichen.

Verkürzung der Amortisationszeit

Die Tarifsteigerung machte Investitionen in die Solarenergie deutlich attraktiver. Laut der Forschungsorganisation Ember verkürzte sich die Amortisationszeit einer privaten Solaranlage auf den Philippinen von etwa vier Jahren auf 3,1 Jahre. Auch die Nachfragestruktur verändert sich: Zuvor wählten die meisten Verbraucher netzgekoppelte Systeme ohne Batteriespeicher, die sich vor allem auf die Senkung der Rechnungen konzentrierten. Jetzt, angesichts der Ausfälle und der Sorge um die Netzstabilität, bevorzugen immer mehr Menschen Systeme mit integrierten Batterien, bei denen die Fähigkeit, die Stromversorgung bei einem Ausfall aufrechtzuerhalten, ein ebenso wichtiger Faktor ist wie die Ersparnis.

Regionaler Charakter des Phänomens

Der Trend beschränkt sich nicht auf die Philippinen. In Yogyakarta, Indonesien, plant Adiana Julia Anfang des nächsten Jahres, Solarpaneele im Haus ihrer Eltern zu installieren, um die Abhängigkeit vom Stromnetz zu verringern: „Es wäre besser, wenn wir Wege fänden, unsere Abhängigkeit vom Stromnetz zu verringern“, sagte sie der NYT. In Malaysia berichten die Anbieter ebenfalls über einen deutlichen Anstieg der täglich installierten Systeme seit Beginn der Kampfhandlungen, wobei die Verbraucher immer häufiger Systeme mit höherer Leistung wählen. Südostasien ist in hohem Maße vom Kraftstoffimport abhängig, daher werden Störungen auf strategischen Schifffahrtsrouten wie der Straße von Hormus schnell auf die Energiemärkte der gesamten Region übertragen.

Staatspolitik und technologischer Faktor

Parallel zur Reaktion der Verbraucher wird auch die Staatspolitik angepasst. Im April hob Kambodscha die Einfuhrzölle auf Solarpaneele und Energiespeichersysteme auf, Thailand arbeitet an der Ausarbeitung von Regeln, die es Haushalten ermöglichen, überschüssige Solarenergie zurück ins nationale Netz zu verkaufen, und Indonesien beabsichtigt, die Solarerzeugung innerhalb der nächsten drei Jahre auf 100 GW zu steigern, obwohl die Regulierung des Netzzugangs für die Bevölkerung weiterhin ein Hindernis darstellt. Vor diesem Hintergrund sinken die Technologiekosten drastisch: Bis Dezember 2025 sollen die Preise für Solarpaneele auf ein Rekordtief von etwa 9 Cent pro Watt fallen, was dank des raschen Ausbaus der Produktionskapazitäten in China deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren liegt. Somit erweitert die wachsende Nachfrage in Südostasien gleichzeitig auch den Markt für China – dem weltweit größten Produktionszentrum für Solarpaneele.