Die Entertainment Software Association (ESA) hat sich mit einer strengen und unmissverständlichen Forderung offiziell an das US-Handelsbeauftragte (USTR) gewandt. Die Organisation drängt darauf, tragbare Plug-and-Play-Retro-Emulationsgeräte in den jährlichen Notorious Markets List-Bericht aufzunehmen. In diesem Verzeichnis werden traditionell die weltweiten Handelsplattformen und Ökosysteme aufgeführt, die offen in den großflächigen Vertrieb von Fälschungen und Piraterie verwickelt sind.
Kernbeschwerden und das Phänomen der Super-Fälschungen
Nach Ansicht der Verfasser des offiziellen Berichts haben sich moderne tragbare chinesische Konsolen zu einem gefährlichen funktionalen Äquivalent sogenannter „Super-Fälschungen“ (Superfakes) entwickelt. Als markantestes und anschaulichstes Beispiel hob die ESA die beliebte Marke Anbernic hervor. Solche Geräte werden heute in hochwertigen Gehäusen hergestellt, mit exzellenten modernen Displays ausgestattet und über gängige große Marktplätze wie Amazon vertrieben, wodurch beim durchschnittlichen Verbraucher absichtlich die Illusion eines völlig legalen und lizenzierten Produkts erweckt wird.
Dennoch bleiben vorinstallierte versteckte Speicherkarten der wichtigste kommerzielle Vorteil und Verkaufstreiber dieser Geräte. Darauf befinden sich Tausende von raubkopierten Versionen klassischer Videospiele von ehemals kultigen Plattformen wie Nintendo, Sega, Sony und anderen namhaften Rechteinhabern der Branche, was den Spieleentwicklern massiven finanziellen und reputativen Schaden zufügt.
Regulatorische Forderungen und Branchenreaktion
In ihrem aktuellen Appell an die US-Behörden fordern ESA-Vertreter die Regierung und internationale Regulierungsbehörden auf, ein umfassendes und hartes Maßnahmenpaket zu verabschieden. Dazu gehören Importblockaden, verstärkte Zollkontrollen und Druck auf Online-Händler, die den Verkauf solcher Hardware auf ihren Seiten ohne vorherige rechtliche Inhaltsprüfung zulassen.
Während die ESA auf einer vollständigen Unterbindung des Vertriebs solcher Geräte unter dem Deckmantel des Geistigen Eigentums pocht, verweisen unabhängige Experten und Retrogaming-Enthusiasten auf die rechtliche Unklarheit der Situation. Viele Nutzer erwerben diese Konsolen ausschließlich als offene Hardware-Plattformen zur Ausführung ihrer eigenen legal erworbenen ROM-Dateien und nicht wegen der vorinstallierten Raubkopien, was heftige Debatten über die Grenzen des Urheberrechts im digitalen Zeitalter auslöst.