Vor dem Hintergrund einer Reihe von Vorfällen auf seinem Territorium bereitet die Europäische Union ein neues Paket von Gegenmaßnahmen gegen Russland vor. Laut Quellen von Bloomberg, die mit dem Verlauf der geschlossenen Verhandlungen vertraut sind, werden die Vertreter der Mitgliedstaaten in den kommenden Wochen zusammenkommen, um konkrete Vorschläge zur Verschärfung der Beschränkungen zu besprechen. Die konkreten Parameter der Maßnahmen befinden sich den Quellen zufolge noch in der Diskussion und wurden noch nicht endgültig festgelegt.
Visas, Diplomaten und Schattenflotte: drei Druckrichtungen
Unter den diskutierten Optionen werden drei Hauptbereiche genannt. Erstens — die Verschärfung der Beschränkungen bei der Ausstellung von Touristenvisas für russische Bürger, was die Reisen von Russen in die Länder des Blocks erheblich erschweren könnte. Zweitens — die Einschränkung der Bewegungsfreiheit des russischen diplomatischen Korps auf dem Gebiet der EU, was den Handlungsspielraum von Botschaften und Konsulaten faktisch verkleinern würde. Drittens — die Ausweitung des Sanktionsdrucks auf Schiffe der sogenannten „Schattenflotte“, also auf Tanker, die zur Beförderung von russischem Öl um die westlichen Preisbeschränkungen und Logistikverbote herum genutzt werden.
Vorfälle, die zum Auslöser wurden
Unmittelbarer Anlass für die neue Runde der Warnungen der europäischen Spitzenpolitiker war der Vorfall mit einer Drohne in Leipzig. In letzter Zeit wurde Moskau auch mit einer Explosion auf einer Eisenbahnstrecke und in einer Fabrik in Polen sowie mit einer mutmaßlichen Verschwörung zum Sabotageanschlag auf eine italienische Industrieanlage in Verbindung gebracht. Die Gesamtheit dieser Ereignisse zeugt aus Sicht Brüssels von einer wachsenden hybriden Aktivität Russlands auf dem Gebiet des Blocks.
Reaktion der europäischen Spitzenpolitiker
Der irische Premierminister Michael Martin erklärte am Donnerstag, Russland werde auf dem Gebiet der EU „immer rücksichtsloser“. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hatte am Vortag die europäischen Länder aufgefordert, die „neue Realität“ zu berücksichtigen. „Die Europäer haben die bittere Wahrheit erfahren, dass dies die neue Normalität ist“, sagte sie gegenüber Journalisten und betonte, dass die Anpassungsphase an die hybriden Bedrohungen aus Moskau ihrer Meinung nach bereits abgeschlossen sei.
Deutschland hatte bereits als Erstes gehandelt
Berlin wartete nicht auf eine europaweite Entscheidung und unternahm eine Reihe eigenständiger Gegenmaßnahmen gegen den Sabotageversuch in Leipzig. Die Bundesregierung schloss das russische Generalkonsulat in Bonn, sagte das Abkommen über den Bau eines Kulturzentrums in Berlin ab, verschärfte die Beschränkungen für Bürger Russlands, erhöhte den Druck auf die Schattenflotte und initiierte die Diskussion über europaweite Sanktionen. Außerdem wurde in der Bundesrepublik zugesichert, dass die Ukraine Raketen und Tausende Drohnen zur Eindämmung der russischen Aggression erhalten wird.
Widersprüchliche Angaben
In den vorliegenden Quellen sind Widersprüche hinsichtlich des Umfangs der Sanktionsmaßnahmen zu beobachten. Der Haupttext und die Daten von Bloomberg betonen drei Bereiche — Visas, Diplomaten, Schattenflotte. Gleichzeitig beschreibt die Quelle Korrespondent ein breiteres Paket, das einen Schlag gegen Banken und die Verteidigungsindustrie Russlands umfasst. Dies könnte darauf hindeuten, dass in der Diskussion sowohl bereits beschlossene als auch neue Elemente der Sanktionsarchitektur beteiligt sind, oder dass verschiedene Quellen verschiedene Stadien desselben Prozesses festhalten. Die genaue Chronologie und die vollständige Liste der Maßnahmen, die in das „nächste Paket“ einfließen, wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von keiner der Seiten offengelegt.