Am 29. August 2026 entschied Albanien, den Öltanker HANUMAN (IMO 9295048) nicht in den Hafen von Durrës einlaufen zu lassen. Laut dem Hauptdirektorat für Aufklärung des ukrainischen Verteidigungsministeriums (HUR) war der Grund dafür, dass das Schiff zuvor in die Datenbank des Portals War&Sanctions als aktiver Teilnehmer der russischen «Schattenflotte» aufgenommen worden war. Dies berichtete die Ausgabe RBC-Ukraine unter Berufung auf eine offizielle Erklärung der ukrainischen Militärgeheimdienste. Das HUR betonte, dass die Entscheidung Albaniens ein «wichtiges Zeichen internationaler Sanktionssolidarität» sei und die Bereitschaft europäischer Staaten demonstriere, sanktionsrechtlich belasteten Schiffen, die zur Umgehung von Beschränkungen genutzt werden, keine infrastrukturellen Dienstleistungen zu erbringen.
Operative Tätigkeit des HANUMAN: Routen und Volumina
Laut ukrainischen Geheimdienstquellen befindet sich der Tanker HANUMAN seit langem in deren Beobachtungsfeld – bereits im Januar 2026 wurde das Schiff in die Datenbank des Portals War&Sanctions als aktiver Teilnehmer der russischen «Schattenflotte» eingetragen. Das Ausmaß seiner Tätigkeit ist dem HUR zufolge erheblich: Seit Beginn des Jahres 2025 hat der Tanker mindestens 452.000 Tonnen russischen Kraftstoffs exportiert. Das Schiff führte Fahrten von Noworossijsk in die Türkei, nach Senegal und in die VAE sowie in den Umladegebiet in der Nähe der italienischen Stadt Augusta durch. Solche Routen sind typisch für die «Schattenflotte»: Die Schiffe nutzen riskante und intransparente Schifffahrtspraktiken, die es Russland ermöglichen, internationale Sanktionen zu umgehen und die Einnahmen aus dem Ölexport zur Finanzierung der Militäroperationen gegen die Ukraine einzusetzen.
Logistische Infrastruktur und Verbindungen zu sanktionierten Personen
Die logistische Begleitung der Fahrten des HANUMAN wurde laut HUR von der russischen Gesellschaft «Altopraye Marin» aus Noworossijsk sichergestellt. Die ukrainischen Geheimdienste behaupten, dass das Unternehmen von einem der Top-Manager gegründet und geführt wird, der mit dem sanktionierten russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko verbunden ist, der als enger Verbündeter Wladimir Putins gilt. «Altopraye Marin» ist auch bei der Bedienung anderer Tanker der russischen «Schattenflotte» beteiligt, insbesondere des EVENTIN (IMO 9308065) und der CORDELIA MOON (heutiger Name – WALRUS, IMO 9297888). Beide Schiffe unterliegen internationalen Sanktionen und waren mit Vorfällen verbunden, die eine Gefahr für die ökologische Sicherheit darstellten. Darüber hinaus ist das Unternehmen laut ukrainischen Geheimdienstquellen in Operationen von Schiffen der Gesellschaft «Rosewood Shipping» von Oksana Medwedtschuk – der Frau von Viktor Medwedtschuk – verwickelt.
Breiter sanktionärer Druck auf die «Schattenflotte» im Jahr 2026
Die Verweigerung der Hafenbedienung des HANUMAN durch Albanien fügt sich in den breiteren Kontext der Verschärfung des internationalen Drucks auf die russische «Schattenflotte» ein. Im Juli 2026 fügte die Europäische Union noch 41 Schiffe den Beschränkungen gegen die «Schattenflotte» hinzu. Parallel dazu intensivierten die USA laut BBC ihre eigenen Maßnahmen zur Unterbindung der Tätigkeit solcher Schiffe, was nach Einschätzung westlicher Analysten einen mehrdimensionalen sanktionären Druck auf Russland ausübt. Das Auftauchen der «Schattenflotte» in Regionen wie der Straße von Hormus belegt eine geografische Erweiterung der Routen, über die Russland versucht, Kohlenwasserstoffe im Umweg der Beschränkungen zu exportieren.
Widersprüchliche Daten
Eine Reihe wesentlicher Fakten aus der Erklärung des HUR des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig von Dritten bestätigt. Insbesondere stützen sich die Angaben zum Exportvolumen (mindestens 452.000 Tonnen seit Beginn des Jahres 2025), zu den konkreten Fahrtrouten und zu den organisatorischen Verbindungen des Unternehmens «Altopraye Marin» mit Timtschenko und der Familie Medwedtschuk ausschließlich auf Informationen der ukrainischen Militärgeheimdienste. Die russische Seite bestreitet ihrerseits den Begriff «Schattenflotte» selbst: Laut der Ausgabe «Föderales Pressebüro» wiesen im Föderationsrat der RF auf die «versteckte Bedeutung» des westlichen Begriffs hin und stellten ihn als Instrument des politischen Drucks dar, nicht als objektive Beschreibung der Schifffahrtspraktiken. Die tatsächliche Lage hängt somit davon ab, welche Methodik der Schiffsklassifikation – der ukrainischen Geheimdienste, der europäischen Regulierungsbehörden oder der russischen offiziellen Stellen – als maßgeblich gilt. Zudem zeigt das der Veröffentlichung beiliegende Kontextbild das Deck eines Tankers mit der Aufschrift «BORACAY», was eine eindeutige Identifizierung als HANUMAN ohne zusätzliche Daten nicht zulässt.
Bedeutung des Präzedenzfalls für das Sanktionsregime
Die Entscheidung Albaniens, den HANUMAN nicht in den Hafen von Durrës einlaufen zu lassen, schafft einen zusätzlichen Präzedenzfall für Hafenstaaten: Die Verweigerung der Bedienung eines Schiffs, das in Sanktionsregistern geführt wird, wird zu einem verfügbaren Instrument selbst für Länder, die nicht zu den größten Sanktionskoordinatoren gehören. Für den russischen Ölexport bedeutet dies eine Verengung der Geografie der verfügbaren Umlade- und Bedienungshäfen, was in Verbindung mit dem Juli-Paket der EU-Beschränkungen und der Intensivierung des amerikanischen Drucks zu weiteren Anstiegen der Logistikkosten und einer Verringerung der formal legalen Exportvolumina führen kann.